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Warum das Netzwerk jeden Nugget schlägt

6. November 2012

Die ideale Vorsorge für eine Krise unseres Wirtschaftssystems sind echte soziale Netzwerke – nicht Goldbarren oder Monster-Optionsscheine

erschienen in der FTD am 6.11.2012

Nehmen wir einmal an, Sie wachen morgen früh auf, und plötzlich sind sämtliche Banken und Sparkassen geschlossen. Es gibt weder Geld aus den umliegenden Geldautomaten, noch öffnen die Supermärkte. Auf den Straßen patrouillieren Sicherheitskräfte, und aus dem Fernsehen und dem Radio ertönt ständig die Bitte, Ruhe zu bewahren.

Ein unwahrscheinliches Szenario? Gewiss. Allerdings keines, das in Anbetracht der derzeit fragilen Lage des Weltfinanzsystems, der fleißig Geld druckenden Notenbanken und der zunehmenden sozialen Spannungen in vielen Teilen Europas und der Welt vollkommen unrealistisch wäre.

Seit einiger Zeit schon verwickele ich daher Akteure aus der Frankfurter Finanzszene beim Small Talk gern in ein Gespräch über ihre persönliche Krisenvorsorge für Extremszenarien. Und noch habe ich niemanden getroffen, der sich darüber überhaupt keine Gedanken gemacht hat.

Grob geschätzt zeigen sich dann drei Typen, wenn es um das Thema Krisenvorsorge geht: der Gewissensberuhiger, der Stratege und der Fatalist.

Der Gewissensberuhiger. Er kommt von den drei Typen am häufigsten vor: Er hat fast immer eine oder mehrere Immobilien als Sockel seiner Vermögensplanung angeschafft und steckt viel Geld hinein – weil ja Papiergeld für ihn keine so clevere Anlage ist. Er sympathisiert aber häufig auch mit Gold, sowohl physisch als auch als Geldanlage. Insgeheim stellt er sich vor, wie er über die anderen triumphierend mit seinen portionierbaren Silberbarren die Straße hinunterläuft und in der Lage ist, seine Brötchen oder auch ein Kilo Fleisch mit Edelmetallen zu bezahlen oder sich aus dem eigenen Garten selbst zu versorgen.

Der kreative Investor ist eher eine rare Spezies. Vermutlich ist er häufiger anzutreffen, als ich glaube, aber Teil seiner Strategie ist es, sie nicht unbedingt jedem Pressefuzzi beim Small Talk über einer Tasse Kaffee mitzuteilen.

Im Mittelpunkt seiner Absicherungsstrategie stehen zum Beispiel Wertpapiere, die von unwahrscheinlich scheinenden Extremereignissen profitieren. Sogenannte Monster-Optionsscheine, die sich vervielfachen, wenn etwa der Ölpreis auf über 500 Dollar je Barrel klettert, der Goldpreis in Dollar den Dow-Jones-Index in Punkten überholt oder die Zinsen durch die Decke schießen. Das ist für ihn aber nur Spielerei, wichtig ist vielmehr, dass das Vermögen im absolut rechtssicheren Ausland liegt, bevorzugt in Immobilien oder als Grundstück, und wenn er Edelmetall besitzt, dann natürlich nur anonym erworben, damit er im Fall der Fälle nicht übermäßig besteuert oder gar enteignet wird.

Und da wäre noch der Fatalist. Diesen Vorsorgetyp gibt es ebenfalls häufig: Er macht sich über Krisen gar keine Gedanken, weil es ihn schlicht zu viel Lebensqualität kostet. Stattdessen will er lieber das Hier und Jetzt genießen. Ändern kann man es sowieso nicht. Wenn es um die Frage geht, ob das denn so schlau ist, wird er schnell zynisch (er selbst nennt das allerdings „realistisch“). Denn er meint, dass sowohl der Gewissensberuhiger als auch der kreative Investor im Falle einer echten systemischen und sozialen Krise keine 100 Meter die Straße hinunterkommen, ehe ihnen ein paar finstere Gesellen mit guter Nase für Sachwerte unter vorgehaltenem Baseballschläger die fleißig gesparten Barren und Münzen abnehmen werden. Weshalb der Fatalist unter den Bankmanagern auch meistens eine ganz klare und einfache Meinung hat, was wirklich hilft, wenn es ganz übel rappelt und es darum geht, die Familie und das Hab und Gut zu schützen: eine Knarre. Wirklich ganz banal eine Knarre. Ich übertreibe hier keineswegs.

Natürlich bewegen wir uns komplett im Reich der wilden Hypothesen, wenn es darum geht, wer im Krisenfall dann am Ende noch am glimpflichsten aus der Sache herauskommt. Meine Hypothese ist allerdings die, dass alle Vorbereitung eigentlich irrelevant ist und die entscheidenden Parameter, wie gut oder schlecht jemand durch eine fürchterliche wirtschaftliche und soziale Krise käme, bereits stehen: Es ist das Netzwerk aus Familie und Freunden – jenseits von Xing und Facebook.

Menschen mit einer großen Familie mit engem Zusammenhalt oder einem großen Freundeskreis mit Menschen ganz unterschiedlicher Fähigkeiten können sich gegenseitig unterstützen und ergänzen, von der Lebensmittelversorgung über den Wohnraum bis hin zur Reparatur von Heizungen oder der ganzen Logistik der Selbstversorgung. Ohne Netzwerk nützen die Barrren im Tresor ebenso wenig wie ein großer Garten oder das Grundstück in Kanada.

Ein solches Netzwerk gibt es nicht zu kaufen wie einen Barren Gold, man kann es sich auch nicht auf Kommando zulegen. Kein schöner Gedanke für Angsthasen, aber umso beruhigender für Menschen, die die Netzwerke hab

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From → FTD Kolumnen

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