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Warum ich Microsoft für einen Short-Kandidaten halte

20. Februar 2013

Zwei Monate alt ist mein neues Notebook mit Windows 8 nunmehr. Und ich stelle fest: Windows 8 ist für Notebooks/Desktops eine Zumutung. Und es verwundert nicht, dass die Microsoft-Aktie trotz eines laufenden Bullenmarkt ausgerechnets seit Veröffentlichung von Windows 8 nicht aus der Hufe kommt.

Vom legendären Fondsmanager Peter Lynch stammt der schlaue Satz, dass jeder ein guter Investor sein kann, solange er nur mit offenen Augen durch die Welt läuft. Er selbst setzte das übrigens mit regelmäßigen Besuchen in Shoppingmalls um. Und tatsächlich waren Starbucks, Hennes & Mauritz, McDonalds und nicht zuletzt Apple alles Aktien, mit denen in den letzten 10-15 Jahren gutes Geld zu verdienen war – wenn man nur umgesetzt hätte bei der Geldanlage, was ganz offenbar populär ist und dabei auch seine eigene Intuition genutzt hätte.

Wenn ich diese bei mir selbst nutze, komme ich zu dem Schluss, dass die Microsoft-Aktie ein Short-Kandidat sein muss. Ich bin zwar Laie, was das Microsoft-Geschäft angeht, aber dass das neue Windows-8-Betriebssystem für den Konzern recht wichtig ist, habe ich dennoch am Rande mitbekommen.

Nun nutze ich Microsoft 8 selbst seit zwei Monaten, es kam mit einem neuen Medion-Notebook automatisch mit – und sowohl meine Frau als auch ich sind vollkommen entnervt. Denn eigentlich ist das Betriebssystem für mobile Anwendungen optimiert, auf klassischen PCs/Notebooks ist es einfach eine Qual.

Einige oberflächliche Beobachtungen: Microsoft nötigt einen an allen Ecken und Enden in hauseigene „Apps“. Das hat man sich wohl von Apple abgeschaut, aber die vorinstallierten Apps nerven auf der Oberfläche einfach nur und sind qualitativ einfach minderwertig (Wetter, Picture Viewer). Das Look & Feel ist ein neues, man kommt aber um die gewohnte Desktop-Ansicht im klassischen PC-Betrieb nicht herum – das heißt, immer, bei jedem Hochfahren zwei Arbeitsschritte mehr, in den Desktop-Modus zu wechseln.

Aus mir unklaren Gründen sprachen nach drei Wochen weder Tastatur noch Touchpad mehr an am neuen Notebook – einige Googelei legte offen, dass ich nicht der einzige mit diesem Problem bin. Da die Tastatur im Bootmodus ansprach, war es klar ein Windows-Problem. Erst Stunden später hatte über die Testversion eines Registry-Cleaners das Problem lösen können.

Wenn man an ein Ipad und ein Iphone gewöhnt ist, ist das ganze Look&Feel von Windows 8 schlicht eine einzige Katastrophe – und ich sage das als pragmatischer Nutzer, der bislang weder mit Microsoft-Monopolbashing noch mit der ostentativen Liebe zu Apple irgend etwas am Hut hatte – ich möchte einfach ein gutes, nutzerfreundliches Produkt.

Überdies habe ich auch mal einen informelle Umfrage bei Freunden gestartet – mit klarem Ergebnis: Wer Windows 8 hat, ist ebenso genervt wie ich, wer es nicht hat, plant bei seinem PC/Notebook-Kauf, Windows 8 tunlichst zu vermeiden.

Mit anderen Worten: Ich habe den starken Verdacht, dass das Produkt ein ziemlicher Schuss in den Ofen ist, auch wenn ich natürlich verstehe, dass Microsoft auf mobile Endgeräte setzen muss und das Produkt mit Gewalt wird durchsetzen, indem der Support für ältere eingestellt wird (zum Beispiel für das auf meinem alten Netbook fantastisch funktionierende XP im Jahr 2014).

Nun sind wir hier ja nicht in einem Jammertitten-, sondern einem Finanzenblog – und meine Überlegung war, dass Microsoft eigentlich ein Short-Kandidat ist. Denn auch im Chart ist gut zu erkennen, dass der Markt vom Konzern enttäuscht ist: Die Aktie kommt nicht aus der Hufe, und seit der Veröffentlichung von Windows 8 im letzten Herbst läuft die Aktie deutlich schlechter als der Gesamtmarkt, auf Jahressicht sieht es noch schlechter aus.

Um die Sache kurz zu machen: Ich bin Investor mit meinen Geldanlagen, kein Spekulant. Das heißt, es muss schon viel passieren, damit ich mal erwäge, einen Optionsschein oder ein Hebelprodukt zu kaufen. Interessehalber habe ich einige Put-Optionsscheine gesichtet, denn die Lage – freundlicher Gesamtmarkt, sehr niedrige Volatilität – macht das Motiv interessant, schließlich könnten ja auch andere, nicht unternehmensspezifische Faktoren den Gesamtmarkt samt Microsoft unter Druck setzen oder die Volatilität erhöhen (was den Kurs der Optionsscheine unabhängig vom Basiswert dürfte klettern lassen).

Am Ende habe ich dennoch keinen gekauft. Ich bin frischgebackener Vater und stecke dem Sohnemann lieber ein paar hundert Euro in Fondssparpläne für den ganz langen Atem, statt hier eine Spekulation zu wagen.

Das ideale Anlageinstrument, das ich indes zu kaufen bereit gewesen wäre, wäre ein Reverse-Bonus-Zertifikat gewesen auf Microsoft. Denn dann hätte ich profitiert, wenn Microsoft gefallen wäre, aber auch dann, wenn die Aktie seitwärts gelaufen wäre – lediglich stark steigende Kurse sind Gift für Reverse-Bonus-Zertifikate.

Problematisch für eine Shortwette ist „leider“, dass Microsoft fundamental ein absolutes Schnäppchen ist: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie liegt für das laufende Jahr bei zehn, der Konzern ist hochprofitabel mit 21 Prozent Marge, scheffelt 30 Mrd. Cash Flow pro Jahr, hat 68 Mrd. Dollar in der Kasse (bei 230 Mrd. Dollar Börsenwert) und zahlt eine Dividendenrendite von 3,3 Prozent. Sich da auf deutlich fallende Kurse zu verlassen, ist ein gewagtes Unterfangen, denn diese Bewertung drückt bereits eine ziemliche Skepsis des Markts aus. Oder, noch drastischer formuliert: Der Markt hat einen fulminanten Flop und mutmaßlich nur noch stagnierende Gewinne bereits eingepreist – und das, wie ich subjektiv finde, zu Recht.

Leider gibt es aber keine Reverse-Bonus-Zertifikate auf Microsoft (mehr), vor einigen Jahren war dies noch anders. Wie es bei der MSFT-Aktie weitergeht, beobachte ich dennnoch gespannt.

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One Comment
  1. Lehrreich! Seit diesem Artikel hat Windows sein Versagen in Sachen Win 8 eingestanden – in der Presse war die Rede vom größten Produktdesaster seit New Coke – die Aktie hat aber trotzdem (oder genau deshalb?) deutlich zulegen können von 29 auf 35 US-Dollar. Natürlich hat es auch eine marktbreite Rally gegeben. Dennoch zeigt mir das einmal mehr, dass mit kurzfristigen taktischen Überlegungen Vorsicht geboten ist und ich lieber bei der Anlage der ruhigen Hand bleibe – die schlechten Nachrichten waren offenbar allesamt bereits im Kurs enthalten.

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