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Die Lehren aus der Zypern-Rettung

29. März 2013

Mit Pathos muss man ja stets vorsichtig sein. Und dennoch glaube ich, dass die trubeligen Tage der Zypern-Rettung einmal in die Geschichte eingehen werden – als Zeitpunkt, zu dem eigentlich auch dem letzten dämmern müsste, dass wir inmitten einer Gläubigerkrise und nicht einer Schuldenkrise stecken.

In groben Zügen sieht die Rettung für Zypern wie folgt aus: Es gibt Hilfen – im Gegenzug wird die zweitgrößte Bank des Landes vermutlich geschlossen und abgewickelt mit entsprechenden Verlusten für deren Gläubiger und Kapitalgeber und Halter von Bankguthaben jenseits von 100.000 Euro zur finanziellen Sanierung des Landes herangezogen. Wer es genauer wissen will, lese z.B. hier nach.

Ich will mich gar nicht in Feinheiten darüber verlieren, ob es vergangenes Wochenende zunächst die Idee Zyperns war oder die Deutschlands oder der EU, auch kleinere Bankguthaben mit einer Zwangsabgabe zu belegen oder ob dieser Schritt am Ende nur geduldet wurde. In jedem Fall hatten (und haben) auch oberflächliche Beobachter der Sachlage eine Ahnung, dass hier nun etwas dramatisches passiert: Es ging (und geht) an Bankeinlagen zur Sanierung eines maroden Banksystems und somit auch eines Landes.

So blöd man dies findet ordungspolitisch, weil es vorherige Versprechen und EU-Zusagen bricht – die Idee, Bankeinlagen zu belangen, fußt schlicht auf dem Umstand, dass in Zypern ansonsten zu wenig da ist, um die benötigten Erlöse zu generieren oder über Zahlungsausfälle die Schuldenlast zu senken: Weder Aktionärskapital noch Bankanleihen. Allenfalls ein paar künftige Erlöse aus Gasfeldern. Aber wäre Zypern ein verlässlicher Partner und die Erlösströme aus den Gasfeldern halbwegs planbar, hätten vermutlich ganze Länder (wie Russland) oder Öl- und Gaskonzerne herzlich gerne finanziell geholfen mit einem Vorschuss. Haben sie aber nicht.

Wenn aber wenig bis nichts da ist und die Schulden der Peripherieländer bitte nicht länger über die EZB oder Rettungsschirme sozialisiert werden sollen, wo soll das Geld dann herkommen? Dass man hier zwangsläufig bei Bankeinlagen landet und auch künftig landen wird, liegt auf der Hand.

Anleger können daraus einiges lernen. Meine Thesen beziehungsweise Ableitungen:

1.) Niemand in der Eurozone wird künftig sagen können, eine Bankschließung und Geldautomatenabschaltung über Nacht habe einen völlig auf dem falschen Fuß erwischt und sei vollkommen undenkbar gewesen.

2.) Niemand in der Eurozone wird künftig sagen können, eine Abgabe auf Sparguthaben über Nacht habe einen völlig auf dem falschen Fuß erwischt und sei vollkommen undenkbar gewesen.

Dieser Geist ist nun aus der Flasche, er wird nicht wieder reinkriechen, und die Hemmschwelle der EU, solche Schritte zu wiederholen, dürfte dramatisch gesunken sein, wenn es hart auf hart kommt.

3.) Anleger sollten sich vor Augen führen, dass GLÄUBIGER ein unmittelbares Problem damit haben, wenn ein Schuldner seine Staatsanleihen nicht bedient und SPARER, wenn eine Bank mit den Einlagen und Zentralbankkrediten nicht sorgfältig genug umgegangen ist. Gerät aus mir unklaren Gründen schnell in Vergessenheit, zum Beispiel dann, wenn der „Rauswurf“ von Euro-Peripherieländern gefordert wird.

4.) Wenn wir anerkennen, dass eines der größten Probleme der Gegenwart in finanzieller Hinsicht die nicht nur in Zypern, sondern in den meisten Industrieländern die explodierenden Staatsschulden sind – und deren Anstieg sich seit 2008 krisenbedingt (genauer: durch Krisenmaßnahmen) nochmals deutlich beschleunigt hat – muss sich jeder Fragen, ob er in dieser Situation wirklich ein GLÄUBIGER dieser Staatsschulden sein möchte. Oder ob es nicht besser ist, ein EIGENTÜMER von etwas mit seinem Geld zu sein? Eines Unternehmens (über Aktien) oder eines Hauses oder einer Wohnung?

5.) Wenn wir anerkennen, dass eines der größten Probleme der Gegenwart in finanzieller Hinsicht die explodierenden Staatsschulden sind, dann gibt es historisch drei Wege, solche Probleme zu lösen: Über eine Inflation (gerne auch schleichend), über Wirtschaftswachstum oder über einen Schuldenschnitt (der ja erst einmal per se deflationär ist).

Im Umfeld einer moderaten Inflation (Modell: Bei historisch üblicher Inflation werden die Zinsen durch die Notenbanken einfach mit Gewalt niedrig gehalten) werden Anleihen und Sparguthaben schleichend enteignet werden.

Im Umfeld einer starken Inflation (ausgelöst etwa über Preisblasen bei Immobilien, Rohstoffen durch das viele Notenbankgeld oder durch den „Export“ von Inflation aus Ländern wie China durch den dortigen demografischen Wandel) werden Anleihen und Sparguthaben sehr schnell enteignet werden.

Im Umfeld eines starken Wirtschaftswachstums werden die Anleihenkurse stark sinken, weil dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit steigenden Zinsen einher gehen wird, weil die Notenbank dann ihre seit knapp fünf Jahren währende Politik des billigen Geldes werden beenden müssen.

Im Umfeld eines Schuldenschnitts oder von Staatspleiten werden Anleihen und Sparguthaben blitzartig an Wert verlieren und ihre Halter bzw. die Sparer enteignet werden – unter Umständen über Nacht.

Wie man die Dinge auch dreht und wendet – ich habe keine Ahnung, wo der DAX in 12 oder 36 Monaten steht und wo die Zinsen von Staatsanleihen. Und bei einer erneuten Eskalation der Schuldenkrise werden mit Sicherheit auch Aktien- und Immobilienmärkte heftige Schwinger einstecken müssen. Ich finde aber, es gibt gewichtige Gründe, im aktuellen Umfeld lieber Eigentümer von etwas als Gläubiger von Staatsanleihen oder Bankeinlagen zu sein.

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