Skip to content

Neuzugang Köttner greift beim Fondsklassiker DWS Vermögensbildungsfonds I durch

4. April 2013

Bei zwei der populärsten Aktienfonds Deutschlands hat es jüngst Managerwechsel gegeben: Der Union-Investment-Manager André Köttner ging (offiziell) per Februar zur DWS und übernahm dort den DWS Vermögensbildungsfonds I von Klaus Kaldemorgen. Den bis Oktober von Köttner verwalteten Uniglobal übernahm wiederum Gunter Kramert. Ein Blick in das kürzlich veröffentliche Factsheet des DWS Vermögensbildungsfonds I offenbart interessante Details über Köttners erste Amtshandlungen: Er greift offenbar bei dem ins Trudeln geratenen Vermögensbildungsfonds I durch, hat kräftig IT-Werte zugekauft und die Investitionsquote binnen weniger Wochen um zehn Prozentpunkte erhöht.

Das schöne an Investmentfonds ist, dass jeder Anleger monatlich nachlesen kann, was die Fondsmanager so treiben. Die frei verfügbaren „Factsheets“ liefern Einblicke in Investitionsquoten, Lieblingstitel, Branchenfavoriten der Manager.

Besonders spannend ist das bei den beiden Fondsklassikern Uniglobal und DWS Vermögensbildungsfonds I. Letzterer ist das vermutlich bekannteste Produkt der DWS, in den Uniglobal wiederum fließt das Geld von Millionen Riester-Fondssparern (unter anderem auch meines).

Die Vorgeschichte: Beim „Uniglobal“ hatte es in den letzten zehn Jahren eine Reihe von Managementwechseln gegeben. Erst verabschiedete sich Christoph Bruns (heute: Loys), kurz darauf dessen „Ziehsohn“ und Nachfolger Thomas Meier (heute: Deka), dann wiederum dessen Nachfolger Olgerd Eichler (heute: Mainfirst). Dann war ab Sommer 2007 ein paar Jahre Ruhe unter der Regie von André Köttner, im Herbst 2012 warb dann aber die DWS Köttner ab, um ihn als Nachfolger von Klaus Kaldemorgen zu inthronisieren.

Das lustige ist: Trotz der vielen Wechsel schnitt der weltweit anlegende Aktienfonds Uniglobal über all die Jahre sehr gut ab, ließ die Konkurrenz und den Vergleichsindex MSCI World stets hinter sich. Morningstar errechnet 2,2 Prozentpunte Outperformance pro Jahr gegenüber dem MSCI World in den letzten zehn Jahren – nach Gebühren, versteht sich. Eine klasse Leistung, die erklärt, warum die DWS sich Köttner schnappte, der immerhin gut fünf Jahre am Ruder war. Und auch, wie stinksauer man bei Union Investment war, schon wieder einen Wechsel melden zu müssen.

Klaus Kaldemorgen stand wiederum bei der DWS für Kontinuität – seit Anfang der 80er Jahre ist es an Bord. Die Kontinuität tat dem von ihm seit den 90ern verwalteten DWS Vermögensbildungsfonds I indes zuletzt nicht gut. Er blieb über zehn Jahre im Schnitt 0,3 Prozent p.a. hinter dem Vergleichsindex – und in den letzten Jahren wurde es immer schlechter. Über fünf Jahre summierte sich die Underperformance auf knapp vier Prozent pro Jahr. Ein Desaster für einen Vorzeigefonds.

Nun ist man hinterher immer schlauer, aber die unterschiedlichen Leistungen der beiden für deutsche Verhältnisse riesigen Aktienfonds (der Uniglobal ist derzeit 7,5 Mrd. Euro schwer, der DWS Vermögensbildungsfonds I 5,3 Mrd. Euro) lassen sich recht einfach erklären: Köttner hatte über die Jahre besonders in der Finanzkrise Mut bewiesen, antizyklisch zuzugreifen – und vor allem hielt er an den stark gelaufenen Aktien wie Google oder Apple in seinem Uniglobal konsequent fest und ließ sich nicht von dem allgemeinen Geschrei irritieren, da sei eine neue Blase entstanden. (Hier ist ein Porträt von mir über Köttner.) Inmitten der Lehman-Wirren griff Köttner seinerzeit – wie übrigens auch Warren Buffett –  bei einem Indexzertifikat zu sagenhaften Konditionen einer US-Bank in Geldnöten zu – wovon seiner Anleger jahrelang profitierten.

Kaldemorgen verhielt sich umgekehrt. Dem zyklischen Aufschwung ab dem Frühjahr 2009 misstraute er, war mit seinem Fonds sehr vorsichtig unterwegs, kaufte lieber dividendenstarke Versorger, Pharmawerte und Telekomtitel denn zyklische Titel. Seine Barquote war meist hoch. Ende 2011 hörte ich Kaldemorgen auf einer Veranstaltung in Köln zu, es war kurz vor Draghis „Dicker Bertha“ und damit dem starken Aktienaufschwung – vor mir saß ein Manager, der den Eindruck machte, er lauere regelrecht darauf, dass alles zusammenbrechen werde in diesem Meer an Schulden (hier ein Artikel von mir dazu, der auch mal wieder belegt, dass man solche Auftritte als antizyklische Gelegenheiten sehen sollte – wenn schon so viele Profis Angst haben…). Skeptisch blieb er auch über das starke Börsenjahr 2012 hinweg. Der Preis war die starke Underperformance, die ihn am Ende seinen Job als Top-Fondsmanager kostete (der DWS bleibt er als Manager und Rampensau indes erhalten).

Und damit sind wir, nach langer Anmoderation, beim eigentlichen Thema: Köttners erste Amtshandlungen als Manager des DWS Vermögensbildungsfonds I. Dort greift er nämlich, wie aus den Factsheets hervor geht, richtig durch.

Per Ende Dezember noch – also unter Kaldemorgens Ägide – wies der Fonds lediglich eine Aktienquote von 81,6 Prozent auf, 14,9 Prozent des Fondsvermögens steckten in Termingeldern. Man kann das im Google Cache hier nachlesen.

Nun beträgt die Aktienquote per 28.2., nach Köttners Übernahme, 90,4 Prozent, also rund neun Prozentpunkte mehr, Termingelder werden gar keine meehr ausgewiesen. „Übersetzt“ und bezogen auf das Fondsvolumen von gut fünf Mrd. Euro heißt das, dass Köttner als eine seiner ersten Amtshandlungen mal eben glatt eine halbe Mrd. Euro von Termingeldern in Aktien umgeschichtet hat.

Interessant ist auch die Zusammensetzung des Fonds: Kaldemorgen hatte Ende Dezember noch rund drei Prozent des Fondsvermögens in Versorger investiert – Köttner hat diesen Anteil auf 0,6 Prozent drastisch heruntergefahren. Auch Telekom-Titel – einst mit 3,8 Prozent gewichtet – flogen raus; ihr Anteil beträgt nunmehr nur noch 1,6 Prozent. Um ein Drittel sank auch die Gewichtung deutscher Aktien.

Der klare Gewinner sind – man ahnt es, wenn man Köttner kennt – IT- und Technologiewerte. Ihr Anteil am Fondsvermögen des DWS Vermögensbildungsfonds I beträgt nunmehr 15,3 nach zuvor 13,1 Prozentpunkten. Finanzwerte sind nunmehr mit 15,8 statt zuvor 12,5 Prozent gewichtet.

Das hat auch Folgen für die größten Titel – das ist mit derzeit 2,6 Prozent am Fondsvermögen Google – nach noch 1,7 Prozent Anteil im Dezember. Neu in den Top 10 sind auch Qualcomm und Microsoft – die waren auch im Uniglobal schon Favoriten Köttners.

Das ist ein mutiger Einstand für Köttner, der hier offenbar keine Schwierigkeiten hat, furchtlos von Anfang an seinen eigenen Stil umzusetzen. Hingegen hat es bei seinem alten Fonds, dem Uniglobal, kaum Veränderungen gegeben – was nun dazu führt, dass die Fondsstruktur mit Blick auf die Branchen des Uniglobal und DWS Vermögensbildungsfonds I stark ähneln.

Es ist übrigens durchaus möglich, dass sich einige Veränderungen durch Kursänderungen ergeben haben – es steht ja nicht auf der Struktur drauf, ob diese sich durch Dispositionen der Manager oder Kursveränderungen ergeben hat. Angesichts der doch deutlichen Verschiebungen und der klaren „Handschrift“ würde mich dies aber wundern.

Nun sind vergangene Leistungen kein Garant für zukünftige Entwicklungen, aber die Voraussetzungen sind gut für den DWS Vermögensbildungsfonds I, wieder auf Kurs zu kommen. Ich wiederum bespare weiter auch brav den Uniglobal für meine Riester-Rente – allzu groß ist die Auswahl an Riester-Fondssparplänen ja nicht. Und beim Union-Angebot überzeugt mich, dass bislang 100 Prozent meiner Einzahlungen in Aktien flossen – entsprechend steht da auch ein dickes Plus – und die Gebühren des langfristig überzeugenden Uniglobal moderat sind und keine Performancegebühren anfallen. Aber natürlich schaue ich jetzt auch genau hin, wie der Fonds künftig abschneidet

Advertisements

From → Blog

One Comment
  1. Wurde auch mal langsam Zeit, dass dort beim VBI was passiert. Es gibt ja genug internationale Aktienfonds, welche den VBI die letzten Jahre outperformed haben!!! Viel Erfolg Herr Kötter!!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: