Skip to content

Der Fondsmanager – das unbekannte Wesen

17. April 2013

Zwischen 2009 und 2011 habe ich für die Financial Times Deutschland monatlich ein größeres Porträt eines Fondsmanagers verfasst. Macht unter dem Strich 36 Gespräche mit Managern wie Mark Mobius, Edouard Carmignac, Peter Huber und vielen anderen. Plus noch mal einige mehr, die wegen inhaltsloser Gespräche nie in ein Porträt mündeten. Was habe ich aus den Interviews gelernt (Teil I) – und welche drei Persönlichkeiten sind mir besonders in Erinnerung geblieben (Teil II, folgt morgen)? Hier geht es zu Teil I.

Keine Frage: Die Serie der Fondsmanagerporträts war eine großartiges Privileg meiner Tätigkeit für die Financial Times Deutschland. Sie gewährte mir Zugang zu Leuten, von denen ich noch vor zehn Jahren nicht zu träumen gewagt hätte, ihnen auch nur mal eine Frage am Rande einer Veranstaltung stellen zu dürfen.

Da wir die Porträts fast ausschließlich mit gemessen an der Leistung sehr erfolgreichen Managern führten, fielen die Porträts zumindest fachlich meist sehr wohlwollend aus. Das erleichterte Zugänge. Und ich lüge mir auch nicht in die Tasche: Ein gutes Porträt setzt voraus, die zu porträtierende Person mal zu begleiten, am besten mehrmals, Kollegen zu sprechen, Freunde…

Am Ende fußten die Porträts aber nur auf ein- bis zweistündigen Treffen in seelenlosen Konferenzräumen, flankiert von Pressesprechern – plus einigen Telefonaten mit der „Szene“ oder anderen Leuten, die ich im Hause des Porträtierten kannte. Ein um Porträtzüge angereichertes Feature wäre da die bessere Bezeichnung. Und natürlich reichen auch zwei Stunden nicht, jemanden kennen zu lernen, über diese Dauer können Vollprofis natürlich auch einem Journalisten unter Umständen etwas vormachen.

Aber ich habe dennoch viel gelernt, mit jedem Gespräch, was ich gerne mit meinen Lesern hier teilen möchte. Positiv: Die Personen, die mir am stärksten in Erinnerung geblieben sind, sich von der Masse abgehoben haben. Und negativ: Dass viele Manager eher an Verkäufer ihrer selbst denn einen Manager erinnern.

Fangen wir mit dem Negativen an – ohne dabei natürlich Namen zu nennen oder in irgend einer Form „nachtreten“ zu wollen, was schlechter Stil wäre: Viele Anleger haben vermutlich eine ziemlich falsche Vorstellung von der Arbeit eines Fondsmanagers. Sie sehen darin vielleicht den Experten, der täglich Bilanzen wälzt, Studien liest oder CEOs und CFOs in die Mangel nimmt.

Natürlich ist das Teil der Aufgabe. Doch je prominenter und besser ein Fondsmanager, desto mehr Zeit verbringt ein Manager abseits seines Schreibtischs oder der Meetingräume mit seinem Team. Ich glaube, bei manchen Managern geht mindestens die Hälfte der Zeit für Roadshows drauf – Gespräche mit aktuellen Investoren, Gespräche mit potenziellen Investoren, Gespräche mit Multiplikatoren wie etwa Journalisten oder Maklern, Gespräche und Präsentationen mit guten Kunden des Hauses. Viele Top-Manager wechseln nicht für das Geld zu einer kleineren Fondsboutique, sondern weil sie auf dieses Hamsterrad keine Lust mehr haben und sich lieber mit Firmen und Bilanzen beschäftigen.

Das alles hat natürlich auch Folgen für Auftreten und Arbeit, viele Fondsmanager erinnern dann eher an Präsentationsmaschinen denn Menschen in Interview, die herunterrattern, warum jetzt Zeit ist, in ihren Fonds zu investieren und das mit stets etwa 18 bis 24 Seiten umfassenden Powerpointfolien begründen können.

Im Grunde genommen stecken viele Fondsgesellschaften in der Zwickmühle. Sie brauchen gute Fondsmanager, die die richtigen Aktien, die richtigen Anleihen oder den richtigen Mix verschiedener Vermögensklassen finden, einerseits. Aber sie brauchen den Fondsmanager natürlich auch als „Vermarkter“ seiner selbst, seines Fonds und seines Arbeitgebers. Ob ein Investor einem Fondsmangager größere Beträge anvertraut, hängt schließlich oft nicht nur von der Leistung ab, sondern dem Bauchgefühl, der Frage, ob der Fondsmanager überzeugend wirkt oder nicht.

Geht man mal „geistig“ die Riege der prominenten Fondsmanager durch, stellt man fest, dass es fast immer überzeugende Perönlichkeiten sind, aber nicht immer auch gute Fondsmanager in dem Sinne, regelmäßig und/oder auf lange Sicht besser abzuschneiden als ihr Vergleichsindex.

Die „Schnittmenge“ aus gutem Manager und überzeugendem Auftreten ist rar. Und das hat stellenweise lustige Folgen: Manche Gesellschaften führen daher Fondsmanager regelrecht als „Strohmänner“, die hauptsächlich damit beschäftigt sind, Investoren und Journalisten zu bespaßen. Es gibt einen recht bekannten Fondsmanager, mit dem ich mal Anfang 2012 frühstücken war. Vielleicht lag es an meinen Fragen, aber was er mir erzählte, war exakt dasselbe wie 2010. Mir fiel fast das Brötchen aus der Hand. Nachfragen nach bestimmten Branchen oder Einzelwerten waren zwecklos. Es lief ein offenbar gut einstudierter, täglich abgehaltener Film.

Dann gibt es den umgekehrten Fall der Manager, die sehr gut sind in dem, was sie für ihre Fonds tun, aber nicht unbedingt gewinnende Naturen für Investoren oder Medienvertreter sind. Weil sie misstrauisch sind oder schlicht keine Lust haben auf dumme Fragen. Solche Manager werden von den Pressestellen in der Regel auch von Journalisten fern gehalten.

Rational müsste man argumentieren, dass man als Privatanleger natürlich sein Geld in Fonds stecken sollte, deren Leistung stimmt – ganz unabhängig vom Charisma der Verwalter. Ich sehe das (inzwischen) anders. Wenn man völlig rational anlegt, gibt man sein Geld überhaupt keinem Fondsmanager, sondern steckt es in passive und günstige Indexfonds.

Für viele Anleger ist meiner Meinung nach der eigentliche Vorzug – eine passive, regelbasierte, disziplinierte Investmentstrategie – ein Nachteil. Sie fühlen sich damit unwohl, wie in einer Art fahrerlosen, automatisch gesteuerten Auto auf dem Beifahrersitz. Lieber ist ihnen, dass jemand eingreift, am Lenkrad dreht, Gas gibt, bremst, selbst wenn das nicht zum gewünschten Ergebnis führt, sondern zu Fehlern und man so später zum Ziel kommt.

Übertragen auf Fonds wollen sie ihr Geld jemandem geben, der klare Meinungen hat (denen man sich idealerweise anschließen kann), der hemdsärmlig anpacken kann. Kein Wunder, dass in Deutschland seit einer Weile Produkte von Carmignac und Flossbach von Storch im Vertrieb große Erfolge feiern – beide Gesellschaften haben meinungsstarke Persönlichkeiten als Fondsmanager, die „ankommen“, jede Bühne und jeden Tisch binnen Sekunden einnehmen, selbst wenn die Leistung – wie etwa im Fall Carmignac – seit drei Jahren eher bescheiden ist.

Ich beobachte jedenfalls immer wieder interessiert, dass viele meiner Freunde ohne größeres Interesse an Geldanlage einen Fonds tatsächlich anhand der Persönlichkeit des Managers aussuchen und nicht anhand von Performancedaten – und daher auch an Indexfonds kaum Interesse haben. In Sachen Rendite mag das fragwürdig sein. Es bringt aber auch nichts, die letzten Prozentpunkte herauszukitzeln, wenn sie sich mit ihrer Anlage jahrelang unwohl fühlen – und umgekehrt zufriedener schlafen, wenn sie jemanden am Ruder wissen, dem sie vertrauen, aus welchen Gründen auch immer (Interviews, Porträts, persönlicher Eindruck, Empfehlung des Beraters….). Hier unterscheidet sich eine Geldanlage nicht von einer Immobilie, die auch nicht immer allen Wirtschaftlichkeitsrechnungen stand hält, aber unter Umständen eine hohe emotionale Dividende zahlt.

Morgen hier: Die drei spannendsten Persönlichkeiten.

Advertisements

From → Blog

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: