Skip to content

Drei aus 36

19. April 2013

Welche drei Fondsmanager haben mich in den letzten Jahren am stärksten beeindruckt? Hier eine kleine Zusammenfassung

In den Jahren 2008 bis 2012 habe ich ffür die „FTD“ und „Capital“ rund 60 Fondsmanager gesprochen. Meist ging es um die Fondsmanagerporträts in der FTD, manchmal auch um Interviews oder Hintergrundgespräche. Mir ist klar, dass man in kurzen Gesprächen keinen umfassenden Eindruck bekommen kann, beschummelt werden kann und so mancher vordergründig nette Mensch hinter den Kulissen ein Despot oder Faulpelz sein kann. Darüber hinaus will ich meine Übersicht nicht als Kaufempfehlung verstanden wissen, sondern nur Eindrücke weitergeben, die vielleicht den ein oder anderen interessieren.

Vincent Strauss, Comgest

Mein (erstes) Interview mit Vincent Strauss im Juli 2009 in Paris begann ungewöhnlich. Ungewöhnlich insofern, als dass heutzutage die oft von Fondsgesellschaften beauftragten PR-Agenturen Tage vor jedem Interview die geplanten Fragen oder Themenfelder von Journalisten einfordern. Von Comgest kam – nichts. Kommen Sie halt vorbei, bat man mich. Weil es keine PR-Agentur gab. Und: Weil es auch keinen Pressesprecher gab bei Comgest. Man erklärte mir, das sei unnütz, wenn man Leistung bringe, dann käme das Geld auch so rein – und überhaupt seien die Mitarbeiter auch alle Mitinhaber der Gesellschaft, da wolle man halt die Kostenstruktur schlank halten. Zugegeben: Das hat mich schon beeindruckt.

Strauss selbst ist nicht nur ein erwiesen sehr guter Fondsmanager, sondern auch ein hervorragender Entertainer. Ständig imitiert er die Stimmen von anderen Investoren oder Vorstandschefs, schneidet Grimassen, sprüht vor guter Laune, malt fortwährend Dinge auf. Zwischendurch tobte Strauß auch mehrmals herum, laut meinen Aufzeichnungen belegte er US-Großbanken mit netten Flüchen.

Er ist seit 1994 für den Schwellenländerfonds Magellan verantwortlich, und sein Investmentkonzept ist so einfach wie überzeugend: Keine Banken. Nur am Shareholder Value orientierte Firmen kaufen. Nur Firmen mit Preismacht kaufen. Nur Firmen kaufen, die von säkularen Trends profitieren. Finger weg von dubiosen Schnäppchen. Er fordert Mitarbeiter auf, das Hirn einzuschalten, statt Brokerstudien zu lesen („Ich verbiete meinen Mitarbeitern, mit Brokern zu reden. Die wollen nur verkaufen und könnten einem auch alles andere andrehen. Döner Kebap zum Beispiel.“). Ich sah auch kein Bloomberg- oder Reuters-Terminal herumstehen.

Entsprechend fühlt er sich mit russischen Aktien unwohl – und auch mit Samsung aufgrund Skandale der Vergangenheit. Seine Favoriten konnte er klar benennen und begründen, interessanterweise sind es auch heute, fast vier Jahre später, noch dieselben im Fonds. Ich ertappte mich dabei, bei sehr vielen Ausführungen zustimmend zu nicken, obwohl ja eigentlich der strikten Neutralität verpflichtet.

Über zehn und fünfzehn Jahre ist der Fonds weit vor seinem Index – in den letzten fünf Jahren aber dahinter. Und eine Kursentwicklung von 16 Prozent Plus pro Jahr in den letzten zehn Jahren lässt einen nachdenken, ob die Dinge nicht ein wenig zu gut liefen in Schwellenländern.

So oder so – der Manager hat mich beeeindruckt. Auch wenn ich vermute, dass auch Strauss inzwischen zu einer Art Außenminister wurde und sein(e) Co-Manager viel arbeit im Hintergrund leisten. Das entstandende Porträt ist hier.

Unser Gespräch ging dann zu Ende, wie es begann – Strauß verabschiedete sich und wünschte gutes Gelingen beim Artikel.

Abstimmung der Zitate, wie sonst journalistisch üblich? „Ach was. Schreiben Sie doch, was Sie wollen, Sie sind doch Profi“ – und raus war er aus der Tür.

Peter Huber, Starcapital

Jeder Anleger macht ja eine Entwicklung durch: Man startet meist als ein Kleinzocker ohne große Ahnung, aber mit klarer Meinung. Das kann gut gehen, dann wird man von zwischenzeitlichen Gewinnen angefixt und hält sich für toll, bis es irgendwann mal schief geht. Dann ist es entscheidend, den nächsten Schritt zu machen und sicht weiter zu entwickeln, zu hinterfragen, einen Plan zu haben in der Geldanlage.

Mir dämmerte erst in den letzten Jahren, dass man auf Dauer nur dann erfolgreich anlegen kann, wenn man entweder eine Engelsgeduld über 20 und mehr Jahre hat bei der Aktienanlage – oder aber antizyklisch vorgeht. Das heißt, lieber mal dann zugreift, wenn alle jammern und Käufe zurückstellt oder nur Sparpläne weiterlaufen lässt, wenn alle euphorisch sind. .

Peter Huber ist der Antizykliker unter den mir bekannten Fondsmanagern schlechthin. Entsprechend Spaß gemacht haben mir auch die Gespräche mit ihm, darunter ein langes im Frühjahr 2011. Huber ist seit Ende der 60er Jahre im Geschäft, kennt also die Börsenphasen zwischen jahrelangem Seitwärtstrend, Euphorie, Depression. Japan, das jetzt durchstartet, hielt er schon damals für einen der unterbewertetsten Märkte der Welt (nachzulesen hier), in den ausgebombtem südeuropäischen Aktienmärkten ging er auf Schnäppchenjagd. Ihn interessiert der Substanzwert seiner Anlagen – fertig. Egal, was die meisten anderen denken. „Steinzeit-Valuestrategie“ nannte das mal spöttisch einer seiner Kollegen

Huber ist ein Überzeugungstäter in Sachen Kapitalmärkte und Fondsmanagerdasein – weshalb er sich aus dem selbst gewählten Ruhestand vor gut zehn Jahren zügig wieder zurück meldete. Aber auch ein eher eigenbrötlerischer Mensch, gelegentlich schwierig, wie man hört, der nicht in die geschniegelte Welt der blauen Hemden, Hermes-Krawatten und Boss-Anzüge Frankfurts passt. Und das ist auch gut so, denn seine Strategie erfordert es, eben nicht jedem Marketingtrends nachzulaufen den der Vertrieb ausruft, sondern auch mal zwei, vielleicht auch drei Jahre völlig daneben zu liegen, ehe eine Rechnung aufgeht. In seinem Aktienfonds Starpoint stecken jedenfalls derzeit mehr italienische als deutsche Aktien und ist Japan genau so hoch gewichtet wie die USA. So etwas „bringen“ nicht viele Manager.

Mohamed El-Erian, Pimco

Zugegeben: Der mag nun wenig überraschen. Aber El-Erian ist einer dieser Persönlichkeiten, die schon mit Betreten des Raumes diesen für sich einnehmen, obwohl sie physisch keineswegs auffällig sind. Wir trafen ihn vergangenen April zu dritt zu einem längeren Interview, und El-Erian erweckte bei mir den Eindruck, dass er seine Tätigkeit als Vorstandschef und Co-Investmentchef einer 2000-Milliarden-Dollar-Firma wie Pimco nicht als Last sieht, sondern es ihm schlicht einen Riesenspaß macht, diesen Job in solch trubeligen Zeiten auszuüben.

El-Erian plauderte lebhaft, überzog den Gesprächsrahmen selbst (trotz engen Zeitplans) um über eine halbe Stunde, weil ihm die Diskussion Spaß machte. Am Ende des Gesprächs drehte er die Interviewsituation einfach um und nahm uns in die Mangel, was wir über Pimco und den Pimco-Eigner Allianz denken.

Natürlich sind die meisten „Bilder“, die Strategieempfehlungen, die Marktmeinungen El-Erians sehr sauber einstudierte Formulierungen, die El-Erian oft wiederholt (hier geht es zum damaligen Interview). Sie sind aber bisweilen unpopulär, wenngleich meistens auch für Laien sehr plausibel.

Kurz nach dem Interview gab El-Erian noch eine Rede aus Anlass des 50. Jubiläums von „Capital“, und auch dort nahm er in einer kurzen, vielleicht 20-minütigen Rede den mit Bankern und Politikern gefüllten Saal sofort für sich ein, es gab kein Geplauder, kein Grundrauschen wie bei solchen Reden üblich.

Ich glaube, dass für ein erfolgreiches Investieren die Lust und Leidenschaft für das, was man tut, da sein muss. Bei El-Erian ist dies – wie bei Huber und Strauss – definitiv der Fall, sie müssen keine Rolle spielen, wenn sie mit Investoren oder Journalisten reden, sondern nur sie selbst sein.

====

Disclaimer: Ich führe je einen kleineren Sparplan auf den Comgest Magellan und den Starcapital Starpoint, die ich je nach Börsenlage mit 50 bis 100 Euro je Monat bespare. Das ist ausdrücklich keine Kaufempfehlung.

Advertisements

From → Blog

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: