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Die Katastrophenbilanz der deutschen Börsengänge

6. Mai 2013

Ich habe mal ein wenig Excel gequält und geschaut, wie sich die rund 30 deutschen Börsengänge seit der Lehman-Pleite relativ zum Gesamtmarkt entwickelt haben. Es ist eine Bilanz zum Schaudern – drei Viertel der Neuemissionen notieren unter ihrem Emissionspreis, rund ein Viertel verlor gar mehr als die Hälfte an Wert – bei sehr, sehr starken Aktienmärkten. Es gibt indes auch überraschende Gewinner.

Liest man sich ein wenig in die Kursbilanz der Börsengänge im langfristigen Vergleich zum Gesamtmarkt ein, ist das Urteil der Wissenschaftler recht eindeutig: Börsengänge laufen in den ersten Jahren nach der Emission im Schnitt etwas schlechter als der Gesamtmarkt. Das heißt – vereinfacht gesprochen – wer in Aktien investieren will, sollte dabei besser nicht mit Neuemissionen anfangen, denn hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, eher unterdurchschnittlich abzuschneiden.

Warum das so ist, ist leicht erklärt: Die Investmentbanken, die einen Börsengang begleiten, vertreten nicht die Interessen von Investoren, sondern der Firmen, deren Aktien sie platzieren. Von denen werden sie schließlich auch bezahlt, und zwar sehr gut, mit etwa einem bis(bei kleinen Werten)  fünf Prozent des Emissionserlöses. Sie wollen für den Verkäufer natürlich einen möglichst hohen Preis herausschlagen – so hoch, dass die Erlöse maximiert werden, aber die Aktie bitte auch nicht abstürzt nach dem Börsengang. (Wir erinnern uns an Facebook).

Nun bin ich für meine Kolumne bei Spiegel Online hingegangen und habe einfach mal geschaut, wie sich die rund 30 Börsengänge im regulierten Markt in Deutschland seit 2009 – damals gab es die ersten Börsengänge der Post-Lehman-Ära nach einem Jahr crashbedingter Flaute – entwickelt haben. Anschließend habe ich geschaut, wie denn der MDAX jeweils zwischen dem Tag der Emission und heutge gelaufen ist. Der MDAX ist natürlich – zugegeben – sehr gut gelaufen, besser als der DAX, aber der MDAX erschien mir als besserer Maßstab als der DAX, schließlich sind in Deutschland ja nur kleine und mittelgroße Firmen an die Börse gegangen.

Die Ergebnisse waren erschütternd: Von den 2012er Börsengängen haben nur drei der acht, von den 2011ern fünf von zwölf und von den 2010ern drei von acht Börsengängen überhaupt ein Kursplus zum Emissionspreis erzielen – und das, obwohl der MDAX im Schnitt zwischen dem jeweiligen Emissionstag und heute knapp 40 Prozent zulegte. (Die 2013er sind wegen der kurzen Historie wenig aussagekräftig).

Das ist an sich schon erstaunlich. Interessant fand ich zudem, dass die wenigen Gewinner in der Regel 1) groß mit einem Emissionsvolumen jenseits der 500 Mio. Euro waren – und oft Platzierungen von Finanzinvestoren waren, etwa GSW, Kabel Deutschland oder Brenntag.

Hier geht es zu meinem Artikel bei Spiegel Online dazu.

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From → Blog, SPIEGEL ONLINE

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  1. Kleine Presseschau vom 7. Mai 2013 | Die Börsenblogger

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