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DAX 12.870

11. Juni 2013

Die „WirtschaftsWoche“ hat in ihrer aktuellen Ausgabe eine interessante Rechnung aufgemacht: Wo stünde denn der DAX, wenn man sich bei seiner Gründung im Juli 1988 mit dem Ur-Dax in seiner damaligen Zusammensetzung schlafen gelegt und jede Indexveränderung ignoriert hätte?

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Nach den WiWo-Berechnungen stünde der Ur-Dax bei 12870 Punkten, weil er 1187 Prozent zugelegt hätte. Das klingt unglaublich – ist aber plausibel. Ich hatte diese Rechnung schon mal 2006 aufgemacht und kam damals bereits auf einen DAX von über 10.000.  Und das, obwohl zahlreiche Gründungsmitglieder pleite gegangen oder in der Versenkung verschwunden sind.

Wie kann das sein? Das Ergebnis fußt auf mehreren Phänomenen

  • Indexaufsteiger kommen „zu teuer“ in den DAX und sind nach einer Hoffnungsrally beim Aufstieg überbewertete Hoffnungswerte
  • Kaufen & liegen lassen & Dividenden wiederanlegen ist eine auf Dauer sehr schön disziplinierende, antizyklische Anlagestrategie, anstatt ständig stark gelaufene Werte hoch zu gewichten und schwache tiefer (und rauszuwerfen)
  • Mit dem „Ur-Dax“ lief man nicht in die Fallen, Blasen wie die der Finanzwerte oder der Telekom/Technologietitel mitzumachen

Das Ergebnis fiel übrigens noch 2007 – neuere Daten liegen mir nicht vor – nach Berechnungen von US-Finanzprofessor Jeremy Siegel für den S&P 500 ähnlich aus – auch der fiktive Ur-S&P 500 fiel ohne die rund 1000 Veränderungen seit den späten 50er Jahren zurückberechnet besser als sein laufend aktualisiertes Pendant.

Was kann man daraus für seine Anlagestrategie lernen? Jedenfalls nicht, an Verliereraktien zu lange festzuhalten. Die Idee funktioniert nur auf Basis einer halbwegs vernünftigen Diversifikation – am Ende haben auch nur fünf DAX-Werte über die Hälfte des Performancebeitrags geleistet. Und: Skeptisch werden, wenn DAX-Aufsteigern eine rosige Zukunft vorher gesagt wird.

Das kleine Stück und die Performancetabelle ist den Kauf der WirtschaftsWoche schon mal Wert!

(Randbermerkung: Ich arbeite derzeit an einer kleinen Ausarbeitung dieses Themas für Spiegel Online – mehr dazu Anfang Juli)

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3 Kommentare
  1. Alles zurück auf 0! Gefühlt hätte ich eine ähnliche Vermutung gehabt, aber nicht, dass dieser sooo groß ausfallen würde. DAX bei 12.870 Punkten, das wär‘ doch mal was!

    Aber es stimmt schon, diese Starter mit den überbewertete Hoffnungswerten zerstören auf Dauer mehr, als dass sie eine Bereicherung für den Aktienmarkt wären.

    Wenn man z.b. die Facebook-Aktie sieht, die teilweise nicht mal mehr die Hälfte Wert war (und aktuell wieder auf Untergangskurs ist) ist das nicht verwunderlich und zeigt ein Praxisbeispiel für das Phänomen.

  2. Spannendes Ergebnis, welches einen sogar an Indexstrategien zweifeln lassen kann. Oder anders gesagt, ist es eben doch möglich besser als ein Index zu sein. Interessant finde ich auch, dass man mit dem Ur-DAX offenbar Modeerscheinungen entgeht.

    Entscheidend scheint mir allerdings die Tatsache zu sein, dass 50% der besseren Performance auf nur fünf Werte zurückzuführen sind. Am besten würde man man ja bekanntlich fahren, wenn man die wirklichen Highflyer vorher herausfiltern könnte.

    Trotzdem sind fünf Werte nicht viel. Das Ergebnis könnte vielleicht auch reiner Zufall sein – man müsste es genauer untersuchen.

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  1. Kleine Presseschau vom 12. Juni 2013 | Die Börsenblogger

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