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Sind Mischfonds eine gute Geldanlage?

2. September 2013

Die Fondsratingagentur Morningstar hat eine sehr interessante Auswertung erstellt, wie gut/schlecht Mischfonds im Vergleich zu einer stumpfen Kombination je 50 Prozent Aktien und Anleihen über ein Indexinvestment abschneiden. Das Ergebnis: Über zehn Jahre schneiden 92 Prozent, auf Sicht der letzten fünf Jahre (also der „Boomphase“ im Vertrieb der Mischfonds) sogar 97 Prozent der Mischfonds schlechter ab als ein ganz naiv gebauter Mischfonds. Eine Leserempfehlung.

Mischfonds sind die Erfolgsgeschichte schlechthin der letzten Jahre im Fondsvertrieb – das belegen vor allem die Medienpräsenz und natürlich auch die nackten Absatzzahlen von Managern wie Edouarc Carmignac, Bert Flossbach oder Luca Pesarini. Ihre Spezialität sind Mischfonds, die sich verschiedener Renditequellen bedienen können bei der Wahl der Wertpapiere für den Fonds. (Wer sich einen Üblick über die aktuellen Vertriebshits verschaffen will, kann das mit einiger Verzögerung beim Fondsverband BVI tun, aber auch zum Beispiel hier.)

Warum ist das so? Dafür gibt es zwei recht einfache Gründe

  •  Nach großen Einbrüchen, wie wir sie 2000-2003 und eben 2008 gesehen haben, stechen aus dem Reich der gut 1700 Mischfonds in Deutschland ganz automatisch einige heraus – und zwar all jene, die vor den kräftigen Einbrüchen riskante Wertpapiere wie Aktien deutlich heruntergefahren haben in der Gewichtung und sichere Anlagen wie Renten bzw. Geldmarktpapiere hoch gewichtet haben. Der Einbruch wurde so mit dem Fondsvermögen umschifft, und natürlich katapultiert dies die Manager an die Spitze der Performanceranglisten von Investmentfonds. Die Presse wird aufmerksam, die Berichterstattung interessiert Anleger – und schon fließt das Geld in den Fonds. Es ist auffällig, dass die Manager der „Vertriebsschlager“ der letzten Jahre allesamt sehr gut durch den 2008er Einbruch gesegelt sind.
  • Mit Mischfonds delegiere ich in der Regel die zwei elementaren Investmententscheidungen an eine Person: Markttiming in Sachen Aktien – und natürlich die Auswahl der Wertpapiere selbst. Denn wenn es einen Grund gibt, warum so viele Privatanleger vor Aktienengagements – selbst als Beimischung – zurückschrecken, dann ist es die Angst, mit dem Kauf der Aktien ein schlechtes Timing zu erwischen. Gebe ich (auch) diese Entscheidung an einen Profi ab – vorzugsweise noch einen, der Crashs und Kursanstiege in der Vergangenheit gut antizipiert hat – kann ich mich eigentlich ja schlafen legen.

Doch ist ein Mischfonds auch eine gute Geldanlage? Die Fondsratingagentur Morningstar hat sich einmal angesehen, wie Mischfonds in den letzten Jahren abgeschnitten haben. Das Ergebnis ist es Desaster: Über drei Jahren schnitten nur zwei Prozent, über fünf Jahre (und somit auch über die Lehman-Pleite hinweg) nur drei Prozent und über zehn Jahre nur acht Prozent der Mischfonds besser ab als eine stumpfe Mischung aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen, die jeder Anleger einfach und billig über Indexfonds darstellen kann. Die Studie lässt sich hier nachlesen.

Warum ist das so? Mit einem hohen Cashanteil kommt man gut durch Krisen, klar. In der Praxis haben die meisten Verwalter – neben dem bekannten Problem, die Gebühren zu verdienen – aber Schwierigkeiten, auch wieder den richtigen Wiedereinstieg zu finden. Die Tatsache, dass die Aktienmärkte langfristig nun mal steigen, führt dazu, dass so genannte „Markttimer“ – also Leute, die Versuchen, mit dem rechtzeitigen Ein- und Ausstieg in Aktien die Rendite zu steigern – keine Trefferquote von 51 Prozent brauchen, um besser als der Markt zu sein. Sie brauchen langfristig eine Trefferquote von rund 70 Prozent. (Wen das näher interessiert, dem empfehle ich einen Blick in Bücher von Burton Malkiel). Und das alleine schon für die Frage der strategischen Allokation – also: Wie Aktien/Anleihen gewichten.

Wenn ein Manager sowohl die Vermögensverteilung als auch die Wertpapierauswahl übernimmt, sind das zwei Renditequellen, wenn man es positiv dreht. Aber eben auch zwei Fehlerquellen, wenn man es kritisch sieht.

Denn wer kennt das nicht mit dem Wiedereinstieg? Nehmen wir einmal an, einem Anleger wird es nun  zu heiß am Aktienmarkt, und er steigt bei 8300 Punkten im DAX aus. Syrien sorgt für Verunsicherung, der Ausstieg aus den Anleihenkäufen der US-Notenbank droht, die Zinsen steigen, die Rally geht schon viereinhalb Jahre. Da kann man taktisch schon mal kurzfristig aussteigen. Was aber, wenn der DAX weiterklettert? Auf 8800 Punkte? Oder gar auf 9500? Übertrieben wird ja immer. Unter Umständen findet man nie wieder einen Einstieg, weil man einerseits nicht die Aktien teuerer zurück kaufen will – und andererseits der Einbruch aber vielleicht gar nicht kommt, auf den man lauert.

Der Kauf eines Mischfonds will daher gut überlegt sein – das Prinzip „Autopilot“ bei der Geldanlage ist, wie die Morningstar-Studie zeigt, gefährlich – und das, obwohl doch die Einbrüche eigentlich gute Gelegenheiten boten, beim „Markttiming“ Können zu beweisen. Brechen die Börsen nun tatsächlich mal wieder um 20 Prozent oder mehr ein, wird dieser Einbruch neue Helden hervor bringen, die durch eine entsprechend vorsichtige Allokation herausstechen. Aber werden sie den Wiedereinstieg schaffen? (Hier ist übrigens ein Beispiel für einen Manager, der in der Krise 2002/2003 und (!) 2007/2008 sensationell gut abgeschnitten hat – und der seit 2009 nicht vom Fleck kommt. Oder sagen wir: Nicht mehr vom Fleck kommt mit seinen Fonds, seit ihn Christian K. in der FTD als Überflieger porträtiert hat.)

Zurück zur Frage: Lohnen Mischfonds? Natürlich gibt es ein relativ starkes Argument für Mischfonds – und das ist die Tatsache, dass viele Anleger sehr gut damit schlafen können, wenn sie sowohl das Markttiming als auch die Wertpapierauswahl jemandem überlassen, den sie für gut, vertrauenswürdig und charismatisch halten. Gut in der Vergangenheit, gewinnendes Auftreten, rhetorisch versiert, mit Charisma ausgestattet – bei Fondsmanagern kommt es eben nicht nur auf Leistung an, sondern auch auf Ausstrahlung, und vor diesem Hintergrund verwundert der Erfolg von Experten wie Edouard Carmignas, Bert Flosssbach oder Dr. Jens Ehrhardt nicht. Und den Anlegern sind dann vielleicht ein paar Prozentpunkte Underperformance am Ende egal, solange sie sich um nichts kümmern müssen. Wenn zumindest die emotionale Rendite stimmt, ist das auch etwas wert.

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One Comment
  1. Der Artikel ist zwar schon etwas älter, dennoch sehr informativ. Mischfonds sind defintiv nicht für jeden etwas, da das ganze Thema am Ende doch umfangreicher ist als so mancher glaubt. Sollte dennoch Interesse bestehen, sollte man sich in jedem Fall ausführlich informieren und beraten lassen.

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