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Was Garantiefonds tatsächlich geleistet haben im laufenden Bullenmarkt

16. September 2013

Dass ich Garantiefonds mit Rheumadecken verglichen habe, hat zu den erwartbaren kritischen Reaktionen geführt seitens der Anbieter – aber auch zu sehr interessanten Kommentaren hier im Blog. Hier einige statistische Informationen über das tatsächliche Abschneiden der Garantiefonds in den letzten Jahren und ein paar Rechnungen, die für den Beitrag für Spiegel Online zu komplex waren. Dann dürfte schnell klar werden, dass die Produkte einfach untauglich sind.Wenn es um Fondsperformance geht, greife ich sehr gerne auf die Datenbank von FWW zurück. Sie ist frei verfügbar und, soweit ich es beurteilen kann, umfassend und genau. Entsprechend kann man auch gut erkennen, wie gut (bzw. schlecht) Garantiefonds in der jüngeren Vergangenheit abgeschnitten haben.

Nehmen wir einmal zwei Zeiträume – ein und drei Jahre. In beiden Zeiträumen lieferten Aktien und Anleihen ordentliche Erträge. FWW gruppiert die Garantiefonds nach Ablaufzeitraum. Hier die jeweiligen durchschnittlichen Erträge pro Jahr

  • Garantiefonds mit Ablauf bis 2015: 0,3% (ein Jahr) und 1,1% p.a. (drei Jahre)
  • Garantiefonds mit Ablauf 2016 bis 2020: 0,0% (ein Jahr) und 2,6% p.a. (drei Jahre)
  • Garantiefonds mit Ablauf 2021 bis 2025: -1,2% (ein Jahr) und 2,3% p.a. (drei Jahre)
  • Garantiefonds ohne fixen Ablauf: 1,4% (ein Jahr) und 0,8% p.a. (drei Jahre).

Wir haben die Alternativen abgeschnitten? Der DAX hat binnen Jahresfrist 14,8 Prozent und auf Dreijahressicht 10,8 Prozent p.a. zugelegt. Der REX Performanceindexfür deutsche Anleihen hat 0,8 Prozent über ein Jahr und 3,5 Prozent p.a. über drei Jahre zugelegt. Mit Tagesgeld gab es über drei Jahre im Marktschnitt (FMH Index) rund 1,2 Prozent p.a. zu verdienen (aktuell etwas weniger).

Nun hat diese Rechnung natürlich ein paar Haken und Ösen, FWW gruppiert viele Garantiefonds zusammen, die aber unterschiedliche Basiswerte haben. Zudem gibt es einige „Ausreißer“, weil etwa auch Produkte mit Teilgarantien als Garantiefonds zählen, die haben teils weit höhere Renditen eingebracht.

Man bekommt aber ein Gefühl für den Kern der Dinge: Nach Gebühren und ohne Berücksichtigung von Ausgabeaufschlag hat über die letzten drei sehr guten Börsenjahre (für Aktien UND Anleihen) haben Garantiefonds im Durchschnitt nicht einmal die Rendite von Anleihen erwirtschaftet. Sie haben von den sehr starken Aktienmärkten nur sehr schwach partizipiert und sind auf Jahressicht sogar schlechter gelaufen als ein stinknormales Tagesgeldkonto. Und das, obwohl in dieser Gruppe ja auch „alte“ Garantiefonds vertreten sind, die noch zu einigermaßen annehmbaren Konditionen in Zeiten höherer Zinsen aufgelegt wurden. Meine Kritik zielte ja ausdrücklich auf den neuen Typus von Garantiefonds, indem exotische Indizes mit einer maximal zulässigen Volatilität als Basiswert dienen.

Was ebenfalls als Rechnung nicht ganz in den Artikel passte – und worauf Leser hier aber völlig zu Recht hingewiesen haben – ist die Überlegung, wo überhaupt das Problem der Niedrigzinsen für Anleger wie Anbieter ist. Im wesentlichen hängen die Konditionen von Garantiefonds von dem Preis der Optionen ab, mit denen ich von einer Kursentwicklung partizipiere – sowie dem Zinsniveau ab. Denn letzteres entscheidet, wie viel Geld überhaupt für die Optionen übrig bleibt. Und das ist nicht mehr viel.

Denn bei Garantiefonds gehen Anbieter selbst kein Risiko ein, sondern investieren einen Großteil der eingesammelten Gelder so, dass die sicheren Anlagen samt Zins und Zinseszins zum Ende der Laufzeit die Rückzahlung des eingezahlten Geldes sicher stellen.  Mit dem Rest versuchen sie, Anlegern eine möglichst hohe Partizipation an der Entwicklung von Aktien- oder Rohstoffindizes in Aussicht zu stellen.

Noch vor zehn Jahren – als der Boom der Garantiefonds nach dem damaligen Crash auf Raten zwischen 2000 und 2003 an Fahrt gewann – rentierte eine fünfjährige Bundesanleihe mit 3,6 Prozent. Wer damals als Bank einen Garantiefonds mit fünf Jahren Laufzeit und einem angenommenen Anteilspreis von 100 Euro aufgelegt hat, musste je Fondsanteil rund 84 Euro in Bundesanleihen stecken und konnte Anlegern so fünf Jahre später 100 Euro zurückzahlen. Mit den übrigen 16 Euro konnte man den chancenorientierten Teil des Garantieprodukts attraktiv ausgestalten. Dazu zählte etwa, Anlegern zumindest teilweise am Anstieg von DAX, Euro Stoxx und Co. beteiligen zu können.

Aktuell notieren fünfjährige Bundesanleihen aber bei nur gut 0,7 Prozent Rendite pro Jahr. Was wiederum heißt: Legt eine Bank heute eine Garantiefonds mit fünfjähriger Laufzeit auf und will mittels sicherer Anleihen die Rückzahlung sicherstellen, muss sie 96,50 Euro in Anleihen investieren. Für den chancenreichen Teil des Garantieprodukts bleiben somit schlappe 3,50 Euro.

Man ahnt, dass der Versuch zum Scheitern verurteilt ist, in diesem Umfeld Anlegern mit Garantieprodukten eine attraktive Partizipation an Gewinnen in Aussicht zu stellen – auch wenn es inzwischen viele Möglichkeiten gibt, Garantien oder die Beteiligung an Kursgewinnen über Derivate abzubilden.

Es gibt übrigens im Netz – für Interessierte – eine kleine Präsentation, in der gut dargelegt wird, wieso die Garantiefondsanbieter inzwischen auf exotische Basiswerte umgeschenkt sind. Die eignet sich aber nur für Feinschmecker in Sachen Optionstheorie. Bitte hier entlang.

Unter dem Strich bleibt allerdings noch eine (persönliche) Sache anzumerken: Es ist ein leichtes, mit einfachem Zahlenmaterial darzulegen, dass Garantiefonds nicht der Brüller sind. Ich finde es Quatsch, für dieses Chance/Risikoverhältnis noch Gebühren und einen Ausgabeaufschlag zu zahlen, womit die Rechnungen endgültig mit hoher Wahrscheinlichkeit rot werden nach Abzug von Steuern und Inflation. Allein: Ich weiß auch um den psychologischen Reiz solcher Modelle, wenn nun mal Anlagebedarf da ist und jemand nach nunmehr viereinhalb Jahren Bullenmarkt auch keine Lust hat, der Trottel zu sein, der nahe den Höchstkursen mit einem Teil seiner Gelder in den Aktienmarkt einsteigt. Da klingt das Modell Garantiefonds nicht dumm. Berater schätzen Garantiefonds ebenfalls, weil sie meist einen fixen Ablaufzeitpunkt haben – da kommt man dann automatisch für die Wiederanlage mit Kunden ins Gespräch. Und natürlich einem erneuten Abschluss.

Immerhin: Viele Anbieter und Anleger haben erkannt, dass es um aktuellen Umfeld einfach wenig zu holen gibt bei dieser Zinslage. Sowohl die Anzahl als auch das investierte Volumen der Garantiefonds sank in Deutschland in den letzten drei Jahren um je ein Fünftel auf zuletzt knapp 30 Mrd. Euro in rund 220 Fonds, obwohl in Umfragen regelmäßig die überwältigende Mehrheit der Anleger angibt, Sicherheit stünde bei ihnen bei der Geldanlage an erster Stelle.  Und da sage noch einer, deutsche Anleger seien dumm!

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From → Blog, SPIEGEL ONLINE

2 Kommentare
  1. lollipopp permalink

    Anmerkung zu „Meine Kritik zielte ja ausdrücklich auf den neuen Typus von Garantiefonds, indem exotische Indizes mit einer maximal zulässigen Volatilität als Basiswert dienen.“

    Die Kritik läßt sich erweitern auf Garantiefonds, welche CPPI-Mechanismen verwenden. Diese legen nicht sofort den kompletten Barwert zukünftiger Garantien festverzinslich an, sondern weniger. Dadurch investieren sie mehr in Aktien zum Beispiel. Natürlich müssen sie rechtzeitig von Aktien in Anleihen umschichten, wenn die Aktienwerte sinken. Sonst liegt das gesamte Fondsvermögen unter dem Barwert der nötig ist, um mit festverzinslichen Papieren die Garantie zu gewährleisten. Das Umschichten (in beide Richtungen) geschieht i.d.R. täglich.
    Das Problem der CPPI-Strukturen ist das gleiche wie bei jenen, die in (exotische) Optionen anlegen:
    Auch dort ist für die Partizipation am Aktienmarkt der risikolose Zins (nach Kosten) ausschlaggebend. Er bestimmt den Barwert, dieser den Cushion (die Differenz zwischen Anteilspreis und Barwert) und über einen (in der Regel festen) Hebel bestimmt der Cushion die Aktienquote. Also: niedrige Zinsen -> hoher Barwert -> niedirger Cushion -> niedrige Aktienquote.

    Annmerkung zu „Und das, obwohl in dieser Gruppe ja auch “alte” Garantiefonds vertreten sind, die noch zu einigermaßen annehmbaren Konditionen in Zeiten höherer Zinsen aufgelegt wurden.“:

    Wenn alte Garantiefonds (mit CPPI oder mit Optionen) trotz damaliger hoher Zinsen so schlecht abschneiden, dann auch, weil die meisten über das „Asianing“ pfadabhängig sind und nach den Zeiten hoher Zinsen noch ein Aktienmarkteinbruch lag, der die Performance vermiest.
    Erst ab März 2009 ging es an den Börsen wieder bergauf. Ab da hätte theoretisch ein neuer Garantiefonds passabel abschneiden können – allerdings waren die Zinsen dann schon auf ihrem Tief (http://www.leitzinsen.info/) und die Aktienpartizipation fiel notgedrungen mickrig aus.

  2. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich ebenfalls intensiv mit dieser Thematik, vor allem jedoch mit dem Anleihenmarkt, beschäftig. Dazu kann ich nur sagen, dass dieser in der Regel stark unterschätzt wird. Viele Menschen sind sich über die immense Bedeutung von Anleihen nicht bewusst. Im Hintergrund stellt der Anleihenmarkt die Hauptfinanzierungsquelle für Unternehmungen dar. Zeitgleich ist er der größte Markt der Geldanlage. Das Anlagevolumen welches im globalen Anleihenmarkt steckt, übertrifft das Welt-BIP bei weitem. Anleihen stellen sicherlich eine interessante Möglichkeit zur Geldanlage dar, man darf hierbei jedoch nicht auf die zwei Hauptrisiken vergessen. Dem Zinsrisiko, welches gerade in der aktuellen Zeit immer aktueller wird, sowie dem Emittentenrisiko. Dieses Risiko wird in der Regel vollkommen unterschätzt. Wenn man zukünftig vor einem Anleihenkauf vor allem auf dem Emittenten achtet und nicht von der Gier nach Verzinsung sich beeinflussen lässt, stellen auch sicherlich zukünftig eine gute Art zur Geldanlage dar.

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