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Kauf‘ Dich reich! Warum Käufer die Mieter so oft finanziell abhängen

12. November 2013

Ob sich der Kauf einer Immobilie lohnt, entscheidet sich nicht in schnöden Excel-Sheets und Zahlungsströmen. Die Entscheidung zum Kauf oder Bau wird in Wahrheit meistens im Bauch getroffen – und man dengelt sich die Zahlen anschließend dann eben so hin, dass sie die Entscheidung decken. Darüber kann als überzeugter Mieter (wie ich es bin) lästern. Man sollte aber auch nicht unterschätzen, dass Käufer und Bauherren den Mietern etwas voraus haben, was meist zu einer entscheidenden Stellschraube in der Vorsorge wird: Die automatische „Disziplinierung“ über den abzutragenden Kreditberg.

In den vergangenen Jahren und zu Lebzeiten der FTD habe ich des öfteren über das Thema Kaufen vs. Mieten geschrieben. Nicht öfter, als ich auch über Aktienmärkte oder Gold schrieb. Aber aus Gründen, über die ich nur spekulieren kann, sind diese Stücke doch bei vielen Lesern „hängen“ geblieben und ich wurde oft darauf angesprochen. Müsste ich spekulieren, fielen mir folgende Gründe ein: Der Immobilienkauf ist die vermutlich wichtigste Anlageentscheidung des Lebens. In meiner Alterskohorte der Thirtysomethings ist das Thema Immobilienkauf naturgemäß ein großes Thema. Und nicht zuletzt auch in der „Erbengeneration“ generell.

Das Schöne an der Königsfrage „Kaufen oder Mieten?“ ist, dass man sich die Rechnungen biegen kann, wie man will. Schon winzige Veränderungen der Parameter – nehmen wir hier vor allem die künftige, erwartete Entwicklung des Immobilienwerts und der Mieten – stellen die ganze Rechnung auf den Kopf. Unter dem Strich habe ich auch nicht das Gefühl, dass ausgesprochen viele Menschen beim Immobilienkauf „genau nachrechnen“. Sie haben den Wunsch, zu kaufen oder zu bauen – und dieser Wunsch wird dann umgesetzt. Basta. Zumal sie sich auch kaum für alternative Anlagen interessieren oder interessieren wollen.

Lustigerweise hat man mit einer solchen Einstellung vielen Mietern, die glauben, sie könnten besser rechnen, etwas voraus: Der Immobilienkauf und der aufgenommene Kredit disziplinieren sie ungemein – während der Mieter bei seinen Alternativanlagen (wenn er, was meist der Fall ist, weniger an Miete zahlt, als er für Zins und Tilgung eines Kredits aufwendet) oft schludert, seine Lebensversicherung kündigt, am Aktienmarkt im falschen Moment die Nerven verliert oder das Geld einfach unverzinst versauern lässt.

Im Ergebnis sparen Häuslebauer lustigerweise mehr als Mieter – und zwar selbst bereinigt um ihre Aufwendungen für Zins und Tilgung des Immobilienkredits – und gegen vermögender in den Ruhestand. Die Bundesbank hat dieses Phänomen in ihrem Juni-Monatsbericht wunderbar aufbereitet (und weist zu Recht darauf hin, dann man mit den Kausalitäten etwas vorsichtig sein muss, denn viele Käufer gehen natürlich mit besseren finanziellen Voraussetzungen in einen Kauf bzw. Bau). Auch das Beratungsunternehmen Empirica hat entsprechende Daten erhoben. Der rote Faden ist unbestritten: Käufer sparen mehr und gehen vermögender in den Ruhestand.

Ich halte diesen Aspekt selbst als überzeugter Mieter, der die Flexibilität der Miete schätzt, für enorm wichtig in der „Kaufen vs. Mieten“-Debatte. Er wird auch gestützt von dem Umstand, dass aus den Bundesbankdaten hervor geht, dass bei Wohnimmobilienfinanzierungen meist mit vernünftigem Eigenkapital gearbeitet wird, es keine außergewöhnlichen Anstieg der Kreditaktivitäten gibt und ohnehin laut Umfragen die große Mehrheit der Immobilienkäufer überhaupt keine Renditeerwartungen an ihr Projekt haben, sondern im Alter mietfrei wohnen wollen.

Zum Artikel bei SPIEGEL ONLINE.

 

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From → SPIEGEL ONLINE

One Comment
  1. Die wichtigste Erkenntnis dieses Artikels ist wohl, dass viele keine Ahnung von Geldanlage haben und eine Bank brauchen, die sie mit der Fessel eines Immobilienkredites zum Sparen zwingt. Ob das jetzt den Immobilienkäufer auszeichnet, darüber kann man wohl diskutieren.

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