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Lohnt der Kauf von Gold- und Silbermünzen?

3. April 2014

Über die Zukunft des Goldpreises können sich Optimisten wie Pessimisten stundenlang die Köpfe einschlagen. Ich rate dazu, die Dinge pragmatisch anzugehen. Das gilt sowohl für Preisprognosen als auch den Umgang mit physischem Gold und Silber. Gelgentlich bietet die Ausgabe von Gedenk- und Sondermünzen durch staatliche Prägeanstalten eine nette Opportunität. Zum Beispiel dann, wenn eine Münze Edelmetall enthält, aber „nur“ ihren Nennwert kostet – oder der Edelmetallgehalt bereits große Teile des Kaufpreises „abdeckt“. Dann sollten auch Pessimisten ans Grübeln kommen. Wie geht’s mit dem Goldpreis weiter? Was ich vor gut einem Jahr schrieb, ist unverändert gültig (und hat sich mit den weiter fallenden Preisen auch bislang als richtig heraus gestellt): Langfristig ist Gold ein schönes Instrument, die Kaufkraft zu erhalten – nicht mehr und nicht weniger. Mit seinem starken Kursanstieg seit Anfang der Nuller Jahre hat der Goldpreis allerdings einen sehr starken Teuerungsschub bereits eingepreist, von dem zumindest derzeit weit und breit nichts zu sehen ist.

Die Kombination aus sinkender Teuerung und zumindest nicht weiter sinkender Zinsen macht Gold aber relativ betrachtet unattraktiv gegenüber Staatsanleihen. Denn bei Realzinsen (also: Zinsen unterhalb der Teuerungsrate) nahe oder gar unter Null Prozent, wie wir sie zeitweise 2010 bis 2012 gesehen haben, kann ich statt Staatsanleihen auch Gold halten – mir entgehen ja keine Zinsen. Aber wenn ich für Staatsanleihen wieder real (also: bereinigt um die Teuerung) ein bis zwei Prozent Zinsen kassiere (so wie derzeit), dann wird der Zinsverzicht mit einer Goldinvestition etwas schmerzhafter. Erst recht, wenn ich kaum Aussicht auf Kursgewinne habe.

Vereinfacht gesprochen: Mit Gold sichere ich mich gut gegen einen möglicherweise dramatischen Teuerungsschub ab. Die oft ins Feld geführte Argumentation, Gold sei auch eine Versicherung gegen Panik an den Märkten wegen was-auch-immer, teile ich hingegen nicht. Denn Gold ist – darauf deutet auch das Kursverhalten in den letzten Jahren hin – inzwischen kein Zockobjekt wirrer Spinner mehr, sondern auch aufgrund des stark vereinfachten Handels und der permanenten guten Handelbarkeit über Gold-ETFs eine ganz normale Anlageklasse. Und als solches auch Objekt von Verkaufswellen, wenn es irgendwo „rappelt“ und für Investoren nur Cash zählt und kein stark fluktuierender Goldpreis. Denn genau diese Preisfluktuationen will der Investor ja aus seinem Depot verbannen, wenn es kriselt.

Das Schöne ist allerdings, dass es selbst für Skeptiker gute Möglichkeiten gibt, seine Anlagen – wenngleich in überschaubaren Umfang – mit ein paar Edelmetallen zu diversifizieren und dabei das Risiko zumindest etwas zu begrenzen. Die Opportunitäten werden seltener, aber es gibt sie. Und zwar oft dann, wenn staatliche Prägestellen selbst Gold- und Silbermünzen heraus bringen.

Denn dann sind die Münzen auch mit einem „Nennwert“ ausgestattet – 10 Dollar, 100 Euro oder andere Beträge. Das heißt, der tatsächliche „Wert“ der Münze bemisst sich zum einen anhand seines Nennwerts oder aber anhand seines Edelmetallgehalts. Als akzeptiertes Zahlungsmittel kann ich mit jeder 100-Euro-Goldmünze in eine Bank gehen und diese in fünf Zwanziger umtauschen. Klettert aber der Goldwert der Münze auf 200 Euro, weil der Goldpreis stark steigt, wird mit ein Münzhändler dafür natürlich auch 200 Euro (abzüglich seiner Marge, versteht sich) zahlen.

In der Vergangenheit hat es immer wieder Konstellationen gegeben, in denen die Ausgabe eine Opportunität für Pragmatiker waren, selbst wenn sie keine Münzen sammeln. Einige kurze Beispiele (und lassen wir hier dieRolle von Preisanstiegen wegen Knappheit/Sammlernachfrage mal außen vor)

  • 2002 gab die Bundesrepublik eine halbe Million Gold-Gedenkmünzen zur Währungsunion heraus. Der Nennwert betrug 100 Euro, der Verkaufspreis, berechnet anhand des damaligen Goldpreises, 193 Euro. Für Käufer hieß diese Konstellation: Man partizipiert am Goldpreis über den Goldgehalt der Münze (eine halbe Unze je Münze), hat zugleich über den Nennwert ein „Sicherheitsnetz“ bei knapp 50 Prozent Verlust. Dafür kassiert man natürlich keine Zinsen und erleidet womöglich einen Kaufkraftverlust, sollte der Goldpreis über lange Zeit nicht aus der Hofe kommen. Heute ist die Münze rund 450 Euro Wert.
  • Das Spiel wiederholte sich mit einigen anderen 100-Euro-Goldmünzen, unter anderem der FIFA-WM-2006-Gedenkmünze, die dann schon 222 Euro kostete (und daher im Vergleich zum Nennwert einen geringeren Puffer bot). Stets konnte man sich auch der Sammlernachfrage sicher sein.
  • In Deutschland werden auch 10-Euro-Silbermünzen geprägt, die bei Banken und der Bundesbank zum Nennwert zu haben waren. Als der Silberpreis 2009 so richtig ans Laufen kam, führte dies dazu, dass man als Käufer eine annähernd risikofreie Silberwette eingehen konnte. Denn die Rechnung aus Sicht des Käufers sah so aus: Die Münzen wogen 18 Gramm und enthielten zu 92,5 Prozent Silber. Macht also 16,65 Gramm pro 10-Euro-Münze. Ende 2010 schoss der Silberpreis aber auf Preise von über 25 Dollar beziehungsweise 20 Euro je Unze. da eine Unze 31,1 Gramm entspricht, was das Silber in der 10-Euro-Münze dann also am Markt bereits 16,65*(20/31,1)=10,71 Euro Wert. Ein netter Sofortgewinn! Und kann aufgrund des Nennwerts beruhigt zusehen, was der Silberpreis so macht. Auf diese Lage reagierten die Prägeanstalten und reduzierten den Silberanteil und das Gewicht.

In allen Fällen war die Ausgabe indes begrenzt oder die Nachfrage so groß, dass damit nicht die ganz große Spekulation möglich war. Teils wurden die Euro-Goldmünzen verlost.

Aktuell gibt es erneut eine Situation, die das Hinschauen lohnt, falls ohnehin jemand über die Anschaffung von physischem Gold nachdenkt: Frankreich gibt eine Münze heraus, die sich „Gallischer Hahn“ nennt. Nennwert: 250 Euro. Preis: 250 Euro. Wer also mögliche Kaufkraftverluste verschmerzen kann, der kann hier einfach Geld eins zu eins tauschen – bekommt aber eine Münze, die 4,5 Gramm Gold enthält.

Nun rechnen wir wieder nach: Gold notiert derzeit (3.4.) bei 937 Euro je Unze. Da eine Unze 31,1 Gramm enthält, hat jedes Gramm Gold   einen Wert von 30,1 Euro (937/31,1). Also beträgt der Materialwert der Münze 4,5*30,1 Euro = 135,60 Euro.

Das ist nun nicht der „Kracher“, da der Goldpreis sich noch mal annähernd verdoppeln muss, damit der Materialwert den Nennwert überholt und ich beginne, Gewinne zu machen. Allein: Die Chance auf starke oder sehr starke Goldpreisanstiege „kostet“ mich nicht mehr als den Kaufkraftverlust des Nennwerts. Und diesen Verlust können die meisten Anleger, wie man angesichs des Billionenvermögens auf kaum oder mager verzinsten Sparbüchern und Girokonten zynisch anmerken kann, vermutlich verschmerzen. Die aktuelle Goldmünze wird übrigens direkt von Frankreich und auch von Münzhändlern (angeblich bis zu 10 Stück pro Haushalt, was ich angesichts der Limitierung auf 25.000 Stück aber bezweifele) abgegeben. Frankreich gibt derzeit auch Goldmünzen im Nennwert von 1.000 Euro heraus.

Vermutlich gibt es unter Chance-Risiko-Aspekten noch weitaus lukrativere Angebote, die allerdings nur Leute kennen, die sich mit der Materie genauer beschäftigen. Obendrein tappt man mit der Bestellung von Münzen über deutsche Kontoren leicht in eine Abofalle und bekommt dann monatlich weitere Münzen „zur Ansicht“. Sich vernünftig zu informieren ist also Anlegerpflicht ;-). Mir ging es aber darum, darauf hinzuweisen, dass man sich auch im Edelmetallmarkt „pragmatisch“ bewegen kann und soll als Anleger!

 

 

 

 

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11 Kommentare
  1. Jan permalink

    Wie viele 250€ Münzen bestellen wir? 🙂

    Versand sparen, macht Spaß! 🙂

  2. Hmm, interessantes Gedankenspiel, aber richtig überzeugt bin ich nicht. Ich würde hier bei der französischen Münze also Bargeld und eine Art Kaufoption auf Gold erwerben. Aber hat die wirklich einen nennenswerten Wert? Du schreibst, das Risiko sei „nur“ der Kaufkraftverlust des Nennwertes, die Chance ein Anstieg des Goldpreises um mehr als 80 Prozent. Allerdings dürfte einer der häufigsten Gründe für einen derartig starken Anstieg ein unerwarteter Anstieg der Inflation sein, der zu einem starken Kaufkraftverlust führt. Holt man sich hier nicht letztlich ein Instrument ins Portfolio, das in keinem einzigen Szenario wirklich gut abschneidet, eine etwas halbgare Mischung aus Cash und Goldinvestment?

  3. Noch was (das Wichtigste?) vergessen: Man kauft natürlich auch noch eine Option auf Wertsteigerung durch Sammlernachfrage mit. Wie man deren Wert berechnet, weiß ich auch nicht. Insgesamt scheint mir so eine Goldmünze ein ziemlich komplexes strukturiertes Produkt zu sein. 😉

    Aber der grundsätzliche Gedankengang wird dadurch ja nicht falsch.

    • Depp permalink

      Und was, wenn diese Sammlernachfrage sinkt, wie bei Briefmarken? Die angelich so goldsüchtigen Asiaten scheinen ja mittlerweile eher auf Technik (Korea, China, …) zu stehen als auf Goldketten, außer wenn Großmama besucht wird. Hierzulande war „blingbling“ eh nie so angesagt wie in den Chrom-verliebten USA.

  4. Neben den Sammelmünzen finde ich auch die 2-Euro-Sondermünzen sehr interessant. Mit ein wenig Glück und Durchhaltevermögen kann man dort richtig gute Schnäppchen landen. Und das ganze ohne ein großes Risiko einzugehen. Ist also durchaus eine Überlegung wert.

  5. Kai permalink

    Hallo in dem Bericht wird genannt, dass eine Unze umgerechnet 31,1 Gramm beträgt. Das ist jedoch falsch. Eine Unze (Oz) beträgt umgerechnet 28,349523125 Gramm. Was Sie mit 31,1 Gramm meinen ist jedoch eine Feinunze (28,349523125 Gramm). Da alle Gewichte der Münzen in Unze (Oz, 1/2 Oz, 1/4Oz usw) angegeben werden, muss hier auch in den Beispielen mit 28,349523125 Gramm gerechnet werden.
    (Quelle: http://www.unze.de/unze.html)
    Viele Grüße Kai

    • E_Metaller permalink

      Ersteres ist korrekt, letzteres nicht. Edelmetalle werden grundsätzlich in Feinunzen gehandelt und gerechnet. Wenn also bei Edelmetallen von Unzen die Rede ist, ist damit die Feinunze gemeint.

  6. Interessante Gedanken die du hier niedergeschrieben hast. Aber Silbermünzen Sammeln hat ja auch nicht immer was mit Wert der Münze zu tun. Manche Sammeln weil Sie es schön finden, wieder andere um eine kleine Absicherung für das Alter zu haben. Alles in allem schön geschrieben, freue mich auf weitere Postings!

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