Skip to content

Ich will nicht beschissen werden!

15. Mai 2014

Keine Sorge, ich bin noch bei Sinnen. Obige Überschrift steht als Zitat über einem Interview, welches das „Handelsblatt“ heute mit dem Fondsmanager Bert Flossbach veröffentlicht hat. Darin regt sich Flossbach über die ausufernden Vergütungen von Unternehmenschefs aus. Ich muss zugeben, dass ich doch lachen musste bei der Lektüre. Schließlich ist Flossbachs Flaggschiff-Fonds zwar fraglos gut. Aber auch ein Beispiel für einen Fonds, in dem die Vergütung so frech ist, dass sich Anleger einen Kauf sehr gut überlegen sollten. Denn zusätzlich zur Grundgebühr fällt auch eine erfolgsabhängige Gebühr an, wenn der Fonds besser abschneidet als – Null Prozent pro Jahr.

„Wir beobachten mit großer Besorgnis, dass die Gehälter von Managern exorbitant steigen, obwohl die Leistung in vielen Fällen das nicht rechtfertigt. Die Entwicklung hat in Amerika angefangen (…) mittlerweile ist sie in Deutschland angekommen.“  (…)  / „Stellen Sie sich vor, der FC Bayern München würde seinem Trainer eine Sonderprämie für das Erreichen des Klassenerhalts zahlen. Absurd, aber leider Realität in vielen Unternehmen.“ (Bert Flossbach, Handelsblatt Online, 15.5.2014)

Ja, stellen Sie sich das mal vor. Eine Prämie für den FC Bayern für den Klassenerhalt. Oder stellen Sie sich mal vor: Eine Prämie für einen Fondsmanager, dass er morgens aufsteht, sich die Zähne putzt, ins Büro fährt und das Licht anknipst. Und zwar eine Erfolgsprämie! Gibt’s nicht? Doch, gibt es.

Doch der Reihe nach: Der Fondsmanager Bert Flossbach hat dem Handelsblatt ein Interview gegeben. Darin erregt er sich über überzogene Gehälter in Banken und Firmen und die Intransparenz der Gewährung. Ich schätze Flossbach sehr, seine Investmentfonds erzielen exzellente Ergebnisse für Anleger, obendrein hat er Charisma und Mut zur eigenen Meinung und brachte so seine Anleger gut durch die Finanzkrise. Flossbach ist weder Schönwettermanager, noch trottet er träge einem Index nach.

Es gibt jedoch etwas, das mich an seinem (von ihm mitverwalteten) Topfonds Multiple Opportunities (und nicht nur an diesem Fonds), einem Mischfonds mit inzwischen knapp fünf Milliarden Euro Volumen, stört: Eine reichlich freche Gebührenregelung. Denn der Fonds kostet Anleger eine Verwaltungsgebühr von 1,53 Prozent.

Plus Erfolgsgebühren.

Ich habe womöglich ein intellektuelles Problem damit, aber für die erhobenen Gebühren erwarte ich eigentlich, dass ein Manager alles gibt, ordentliche Erträge zu erwirtschaften und Vergleichsindizes zu schlagen. Warum muss er dafür noch incentiviert werden? Nun gut, solche Regelungen gibt es in anderen Berufen auch.

Viele Verwalter verlangen also noch erfolgsabhängige Gebühren. Doch wie wird Erfolg definiert? Mit dem Schlagen eines Vergleichsindex – das mag noch akzeptabel sein. Nicht lustig für Anleger ist es jedoch, wenn die erfolgsabhängige Gebühr auch anfällt, wenn der Fonds überhaupt im Wert steigt.

Und genau so fällt die erfolgsabhängige Gebühr im Multiple Opportunities aus: Die Gesellschaft verlangt zehn Prozent von allen Wertzuwächsen. Und dass in einem Investmentfonds mit hohem Aktienanteil in guten Aktienjahren überhaupt Wertzuwächse anfallen, ganz egal, wie gut oder schlecht man bei der Aktienauswahl oder Allokation generell ist, liegt auf der Hand.

Zwar fällt diese erfolgsabhängige Gebühr nur bei neuen Höchstständen an, das heißt: In einem Sägezahnmarkt wird nicht für jede Aufwärtsbewegung eine Extragebühr fällig. Dafür fällt sie nicht auf Jahresbasis an, sondern wird quartalsweise erhoben. Warum? Weil natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass die Extragebühr wegen steigender Kurse überhaupt anfällt, um so höher ist, je mehr Beobachtungsperioden ich habe. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Ziehen die Kurse in einem guten Börsenjahr auf breiter Front an und macht der Fonds 20 Prozent Plus, während ein Mix aus Aktien Anleihen Rohstoffe vielleicht „nur“ 10 Prozent eingebracht hätte, werden Sie natürlich gerne rund zwei Prozentpunkte vom Zuwachs als Erfolgsgebühr abgeben – zusätzlich zu Ihren 1,5 Prozent Fixkosten. Sie werden aber auch dann einen Prozentpunkt Erfolgsgebühr bezahlen müssen, wenn der Fonds 10 Prozent Zuwachs verzeichnet, es aber an den Finanzmärkten so brummt, dass 20 Prozent Gewinn drin gewesen wären mit einem Mix aus Indexfonds.

Langfristig geht es an den Aktienmärkten in den letzten Jahrzehnten stetig bergauf, um etwa sieben Prozent per annum, wenngleich unter Schwankungen. Sie können bei einer erfolgsabhängigen Gebühr auf den absoluten Wertzuwachs also auch genau so gut einen Affen Dartpfeile werfen lassen auf den Kurszettel und werden auf lange Sicht beständig Jahre haben, in der zu den Fixgebühren noch Erfolgsgebühren kommen.

Allein: Der Debatte, ob man besser oder schlechter war als der Vergleichsindex stellen sich viele Manager gar nicht mehr. Sie nennen die Art, wie sie Fonds verwalten „benchmarkunabhängig“. Oder gerne auch „Absolute Return“. Und begründen ihre kreative Vergütung damit, der Kunde wolle ja auch am Ende nur Geld verdienen und möglichst nicht verlieren, die Vergleichsindizes seien ihm egal. Das ist natürlich praktisch: Ohne Vergleichsindex motzt auch niemand herum, man verlange teures Geld für schlechte Managementleistungen.

Ganz ähnlich geht übrigens noch ein weiterer „Promi“ der Fondsszene vor: Klaus Kaldemorgen, der für die DWS inzwischen „nur“ noch den DWS Concept Kaldemorgen verwaltet. Auch dieser Fonds hat „nur“ das Ziel, einen absoluten Ertrag zu erwirtschaften. Was ihm seit Auflage 2011 mit im Schnitt 6,5 Prozent p.a. nach Kosten auch gut gelungen ist.

Nur: Zu den ohnehin schon für einen defensiven Mischfonds sportlichen 1,5 Prozent Grundgebühr kommen bei dem Fonds auch noch mal eine Erfolgsgebühr von 15 Prozent des Mehrertrags zum Vergleichsindex hinzu. Immerhin, es gibt also einen Vergleichsindex. Und das ist – Trommelwirbel – der Geldmarktsatz Eonia. Er liegt derzeit bei 0,19 Prozent. Ab einem Zugewinn von 0,2 Prozent pro Jahr klingelt also derzeit die Kasse mit „Erfolgsgebühren“.

Lassen Sie es mich noch mal in aller Deutlichkeit sagen: Flossbach und Kaldemorgen sind exzellente Fondsmanager (wobei Kaldemorgens gute Tage eineinhalb Dekaden zurück liegen), die sich ihren guten Ruf und die verwalteten Gelder hart erarbeitet haben. Ich hege auch mehr Sympathien für die Idee, mittelfristig Gelder in einen Fonds mit sportlichen Gebühren guter Manager zu stecken, als es auf Sparbüchern verschimmeln zu lassen. Und: Jeder Anleger kann sich über die Vergütungsregeln informieren.

Die Niedrigzinsen sind jedoch keine kurze Episode, sondern ein Phänomen, das fünf oder zehn oder mehr Jahre Bestand haben wird. Und wenn die risikofreien Zinsen niedrig sind, niedrig bleiben, ja niedrig bleiben müssen (weil ansonsten die Schulden nicht tragbar sind für Banken und verschuldete Staaten) wird dies – auch, wenn es uns vor dem Hintergrund der laufenden Rally anders vorkommt – auf die Renditen auch von Aktien, Rohstoffen, Immobilien abstrahlen. Dann sind fünf Prozent pro Jahr schon eine sehr, sehr reife Leistung.

In dieser Lage ist es entscheidend, die Kosten in den Griff zu bekommen als Anleger. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie für ihren Ausgabeaufschlag und ihre Mangementgebühren zuzüglich teils kruder Erfolgsgebühren an einen Underperformer geraten, der für sein teures Geld auch noch schlechter ist als der Markt, liegt auf Dauer bei 80 Prozent.

Und wenn Sie den falschen erwischen, wird dies nach der unvermeidlichen Teuerung, der Abgeltungsteuer und eben den Gebühren Ihre Renditen ruinieren. Ich hatte schon in anderen Beiträgen dargelegt, wieso selbst ein bis zwei Prozent reale Rendite pro Jahr kein leichtes Unterfangen sein werden. Es wäre töricht, sich hier von den guten alten Zeiten blenden zu lassen, dass man langfristig acht, neun, zehn Prozent mit Aktien macht, zumal wir nun seit über fünf Jahren im Bullenmarkt-Modus sind. Die Investition in ein bisschen Beschäftigung mit Geldanlage und dem Aussuchen von Fonds oder anderen Anlageprodukten wird Ihnen reich belohnt derzeit.

Plastisch formuliert: Wenn Sie früher an „die Falschen“ geraten sind und zu faul waren, sich um Dinge selbst zu kümmern, dann haben Sie womöglich fünf Prozent pro Jahr gemacht, obwohl acht Prozent drin gewesen wären. Wenn Sie dasselbe auf heute übertragen, dann machen Sie womöglich nur ein Prozent, obwohl vier drin waren, geben also womöglich den allergrößten Teil Ihrer Rendite preis.

Und machen Sie sich klar: Die operative Marge von Apple, dem Renditekönig mit den billigen chinesischen Teilen und Fabriken und den schweineteuren Iphones – liegt derzeit bei 29 Prozent. In der Branche der Fondsgesellschaften weltweit sind es 37 Prozent.

 

 

 

Advertisements

From → Blog

4 Kommentare
  1. Was sind schon so ein paar Prozent Erfolgsgebühren, könnte man sich fragen. Beim Multiple Opportunities lt. Jahresbericht zb. € 15.237.016,74 fürs Geschäftsjahr 2013…

    • Hallo, bin nicht sicher, ob Sie das ironisch meinen, denn die Summe klingt in Relation zum Fondsvermögen tatsächlich zunächst mal nicht so hoch… Aber in einem guten Börsenjahr (sagen wir mal: 10% Plus), summiert sich das natürlich schon rasch – 10 Prozent von 10 Prozent = 1 Prozent, bei 4,7 Mrd. Fondsvermögen = You do the Math 😉

  2. Francois permalink

    Sehr schöner Beitrag, vielen Dank!

    Ich habe mir auch mal den „Spass“ gemacht und in den letzten Jahresbericht des FvS Multi Opps geschaut.

    „Beeindruckend“ fand ich neben der erfolgsabhängigen Vergütung, dass man für knapp 25 Mio. Shortpositionen in den Sand gesetzt hat im März, weil die Welt dann doch nicht untergegangen ist.

    Schön, wenn man so etwas mit fremdem Geld machen kann.

Trackbacks & Pingbacks

  1. Kleine Presseschau vom 16. Mai 2014 | Die Börsenblogger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: