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Hinterfragen Sie scheinbar Selbstverständliches in Sachen Geldanlage!

30. Oktober 2014

Jeden Tag werfen uns Banken, Finanzdienstleister und die angeschlossenen PR-Agenturen Behauptungen um die Ohren, die intuitiv logisch klingen, aber durch Wiederholung nicht richtiger werden. Drei populäre Behauptungen und was davon zu halten ist.

Behauptung: „Die Niedrigzinsen schaffen keinen Anreiz mehr zum Sparen“

Tatsache: Zinsen sind nur ein Faktor von vielen, der das Spar- und Vorsorgeverhalten determiniert, und obendrein ein eher unwichtiger. Schließlich waren die Realzinsen in den 70er Jahren in Deutschland noch weit niedriger als heute und haben private Haushalte dennoch 14 statt wie heute 9 Prozent des verfügbaren Einkommens gespart. Das Haushaltseinkommen, die Inflation, demografische Veränderungen, das Wirtschaftswachstum und die Erwartungen daran sind ebenfalls wichtige Variablen.

Das ist auch bei näherer Überlegung gar nicht so schwer nachzuvollziehen, denn ob ich mir ein neuen Smartphone oder neues Auto kaufe, hängt weniger von der Frage ab, ob die Bank mir ein oder fünf Prozent Zinsen zahlt, sondern von der Frage 1) ob ich das Geld habe und 2) wie ich meine künftige Einkommensentwicklung einschätze, die wiederum von der Wirtschaftslage abhängt. (Das gilt auch umgekehrt für den unbelegten Zusammenhang zwischen Niedrigzinsen und dem Immobilienpreisboom).

Behauptung: „Der Durchschnittskosteneffekt treibt die Rendite, weil man bei niedrigen Kursen besonders viele Anteile kauft“

Tatsache: Der Durchschnittskosteneffekt beeinflusst die Rendite bei einem Sparplan auf Fonds nicht positiv, er glättet die Renditeerwartungen lediglich. Wäre es anders, könnte man sich durch den Abschluss eines Sparplans auf besonders volatile Aktien (zB Biotechnologie, Internetaktien) einen Renditevorteil besorgen. Letztlich entscheidend ist die Kursentwicklung. Es spricht nichts dagegen, lieber einen Sparplan abzuschließen, anstatt einen Einmalbetrag anzulegen. Nur sollte man sich davon keine positiven Renditebeiträge erhoffen. Es schont lediglich die Nerven und diszipliniert. (mehr auch hier)

Behauptung: „Mit Zielfonds verhält man sich ideal: Die Aktienquote wird bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters allmählich abgesenkt“

Tatsache: Es er scheint uns zwar intuitiv logisch, den Aktienanteil eines Mischportfolios/Zielfonds abzusenken, je näher das Laufzeitende – meist der Rentenbeginn – rückt. So funktionieren fast alle entsprechenden Fonds auch in Deutschland. Denn kurz vor dem Ziel möchte man schließlich das Vermögen nicht von einem Crash durchgeschüttelt sehen. Relativ neue Studien mit Rückrechnungen über sehr lange Betrachtungszeiträume bis 1870 haben allerdings etwas lustiges ergeben: Das umgekehrte Vorgehen – also das graduelle Erhöhen einer Aktienquote bis zum Ende einer Laufzeit – führt zu durchschnittlich höheren Endergebnissen und (und das ist entscheidend) selbst höheren „Worst Case“-Ergebnissen!

Das heißt, selbst im Fall eines Jahrhundertcrashs kurz vor Laufzeitende fiel das Ergebnis beim graduellen Erhöhen der Aktienquote besser aus als im schlechtesten Ergebnis des graduellen Absenkens. Wie kann das sein? Dazu gibt es eine einfache Erklärung: Erwischt mich ein „Crash“ relativ früh in meiner Laufzeit, nimmt das Absenken der Aktienquote mir die Luft für ein Aufholen. Umgekehrt baut ein graduelles Erhöhen der Aktienquote einen „Puffer“ auf, mit dem man dann auch am Ende der Laufzeit noch Einbrüche wegsteckt. Und natürlich sind auf lange Sicht Aktien weniger riskant (da weniger inflationsanfällig) als Anleihen. Der geschätzte Kollege Holger Grethe von Zendepot.de wies auf Twitter zu Recht darauf hin, dass dies nervlich eine Herausforderung sei, mit einer immer höheren Aktienquote zu fahren. Das mag sein, aber umgekehrt muss man von einem Anleger auch nicht erwarten, sofort mit 70 und mehr Prozent anteilig in den Aktienmarkt zu „springen“, sondern beginnt in der Regel mit einem eher risikoaversen Portfolio, was den Schritt zu diesem Vorgehen psychologisch erleichtert!

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3 Kommentare
  1. Dirk permalink

    Da ist noch ein Fehler drin:

    „Und natürlich sind auf lange Sicht Aktien weniger riskant (da weniger inflationsanfällig) als Aktien!“ Wahrscheinlich meinten Sie „weniger riskant als Anleihen!“, richtig?

  2. Natürlich. Korrigiert. Danke.

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  1. Kleine Presseschau vom 31. Oktober 2014 | Die Börsenblogger

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