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Warum Indexfonds nicht alle Anlageprobleme lösen werden

31. März 2015

Es ist beängstigend, welche „gute“ Presse Indexfonds derzeit genießen. Finanzjournalisten und Verbraucherschützer preisen sie auch bei einem Dax von 12.000 als tolle Langfristanlage – oft seien sie sogar der betrieblichen Altersvorsorge und einer Riester-Rente überlegen. Ich fürchte allerdings, dass nur wenigen Anlegern mit dem Produkt wirklich „geholfen“ ist, sofern das Know-How und eine realistische Selbsteinschätung fehlen.

Keine Missverständnisse, bitte: Ich bin großer Anhänger von passiven Indexfonds (ETFs). Es ist eine großartige Sache und ein riesiger Fortschritt gegenüber früher, dass Anleger heute auch schon für kleine Anlagesummen und vor allem zu extrem niedrigen Gebühren (bei Aktien wie Anleihenprodukten 0,1%-0,2% pro Jahr) eine diversifizierte Anlage etwa in den Dax oder den Euro Stoxx 50 oder Euro-Anleihenindizes oder Immobilienaktien tätigen können. Wir schreiben bei CAPITAL oft und konstruktiv darüber. Ich nutze sie auch in meiner privaten Geldanlage gerne, wenngleich nicht ausschließlich. Mein erstes Indexprodukt war übrigens vor langer Zeit ein gebührenfreies Indexzertifikat auf den Nemax 50 von ABN Amro (über dessen Anlageergebnis wir hier besser schweigen).

Die Selbstverständlichkeit, mit der Indexfonds als tolle Geldanlage angepriesen werden, treibt hingegen viele Berater und Finanzdienstleister auf die Palme. Natürlich, denn sie verdienen daran nichts. Es ist ein Massengeschäft zwischen institutionellen Anlegern und Fondsanbietern, in denen Privatanleger keine große Rolle spielen, aber auf eigene Initiative „mitschwimmen“ können – es sei denn, sie werden honorarbasiert beraten oder haben einen hervorragenden Berater, der weiß, dass Kosten eine der wichtigsten Determinanten künftiger Renditen sind.

Ich muss zugeben, dass ich die Kritik vieler Berater und Anbieter nachvollziehen kann, während ich hingegen den vereinfachten „Rat“, doch einfach zu Indexfonds zu greifen, häufig leicht naiv vorgetragen finde. Und da nehme ich mich selbst nicht aus.

Der Reihe nach: Der Kern der Kritik vieler Profis lautet: Wenn viele in Indexfonds investieren, wird es eine Massenbewegung und lohnt sich nicht mehr, weil alle dasselbe tun. Dann können aktive Manager Ineffizienzen nutzen.

Dieses Argument ist zumindest derzeit kaum relevant. Indexfonds „boomen“ seit einer guten Dekade, ohne, dass aktive Manager davon hätten profitieren können, der Prozentsatz der Fonds, die besser als ihr Index abschneiden, steigt nicht. Ferner bekommen aufmerksame Leser zwar das Gefühl, dass Indexfonds eine „Massenbewegung“ seien, sie sind jedoch eine Nische – und werden das noch viele Jahre bleiben. Ihr Marktanteil in Europa ist weiterhin einstellig, in den USA gerade einmal knapp zweistellig. Und erst vergangene Woche konnte ich auf einer Veranstaltung von Lipper lernen, dass im abgelaufenen Jahr europaweit von jedem in Investmentfonds neu investierten Euro etwa rund 85 Cent in aktiv verwaltete Fonds und lediglich rund 15 Cent in ETFs flossen. Die dominierende Rolle der aktiven Fonds wird so eher zementiert. Die Risiken der Prozyklizität waren hier schon oft Gegenstand meiner Kritik, sie fallen aber für die meisten Privatanleger kaum ins Gewicht (sofern wenigstens die Allokation stimmt, die für die Rendite sorgt) oder werden über den Gebührenvorteil mehr aus ausgeglichen.

Insofern sollte das den „informierten“ Anleger kaum sorgen, auch wenn ich bereit wäre zu wetten, dass ein anhand von Würfeln gewichteter Dax über 10 Jahre besser laufen wird als ein kapitalgewichteter Dax (siehe dazu auch hier).

Schluss aber mit den akademischen Problemen.

Denn was ist mit den weniger informierten Anlegern? Die glauben, die Sache als Selbstentscheider in die Hand nehmen zu können, weil die Presse, die Verbraucherschützer und der Kirchner in seinem Blog doch sagen, das sei eine tolle Sache – Dax-oder MSCI World kaufen und halten?

Ich fürchte, dass die Mehrzahl der Anleger, die Indexfonds auf eigene Faust kaufen, auf Dauer nicht glücklich werden wird.

  • Weil sie sich schon im Dickicht der unterschiedlichen Kürzel und Abbildungsformen (Swap vs. physisch), der Fülle der ISINs zu verheddern drohen und Angst bekommen, den falschen Indexfonds zu wählen
  • weil ihnen die steuerliche Behandlung unklar ist und die Steuerbescheinigungen hier die Verwirrung oft nur vergrößern
  • weil eine der größten Renditegräber immer noch falsches Timing und prozyklisches Verhalten sind und einmal gewählte Positionen, die man eigentlich lange halten wollte, dann doch im falschen Moment in Frage gestellt oder liquidiert werden (die vor allem aus diesem prozyklischen Anlageverhalten resultierende „Lücke“ zwischen Marktrenditen und tatsächlichen Renditen taxiert der auf Behavioral Finance spezialisierte Professor Thorsten Hens auf rund drei bis vier Prozentpunkt pro Jahr.)
  • weil ihnen im falschen Moment das Gefühl unheimlich wird, dass niemand im Fonds „gegensteuert“ oder irgendetwas „entscheidet“, wenn die Kapitalmärkte verrückt spielen, ganz egal, ob das sinnvoll ist oder nicht
  • weil plötzlich berufliche und biografische Veränderungen das „Ruder“ in der Anlageplanung übernehmen statt die Logik und Vernunft, die man beim Kauf hatte – und eben jene beruflichen und biografischen Veränderungen über Zahlungsströme in und raus aus Anlageprodukten entscheiden, die leicht liquidierbar sind.
  • weil sie selbst zum Schluss kommen, dass es eine komplette Irrsinnsidee war, bei einem Dax von 12.000 mit einem langen Anlagehorizont einzusteigen und man das schnell korrigieren will, wenn ein ARD Brennpunkt zum Dax-Rutsch um acht Prozent an einem Tag läuft
  • weil sie es merkwürdig finden, dass „ihr“ Indexfonds wegen der Steuern aus Dividenden gar nicht so steigt wie der Index, den sie kennen, etwa den Dax im Fernsehen oder der Zeitung – und da doch was nicht stimmen kann
  • weil sie bei 50 Prozent Plus Schwindelanfälle bekommen und Gewinne mitnehmen wollen, womit die Karriere in die „Cashsucht“ vorgezeichnet ist, denn das Geld aus der Liquidation fließt selten – und schon gar nicht zu höheren Kursen – zurück
  • weil das „Sondervermögen“ des swapbasierten Indexfonds aus Aktien rumänischer Bergbaukonzerne oder japanischer Tiefseetauchausrästern besteht (mit Dank an M. D. für den Hinweis)
  • weil sie sich partout weigern, die den Verrechnungskonten gutgeschriebenen Ausschüttungen bei ausschüttenden Indexfonds irgendwo zu protokollieren und dann herumjammern, der Indexfonds bewege sich über zehn Jahre nicht von der Stelle oder falle viel stärker als das, was man so liest und sieht
  • weil sie sich bei jedem kleineren Problem fragen, ob sie vielleicht doch den falschen Indexfonds gekauft haben aus den 15 Dax-Indexfonds und den 20 Euro Stoxx 50-Indexfonds und den 10 MSCI Worlds
  • weil die nächste Krise eine Liquiditätskrise sein könnte und ein angeblich permanent handelbares Index-Produkt etwa auf Junkbonds, Schwellenländer, Verbriefungen, Kupfer oder Öl …. plötzlich doch nicht mehr handelbar ist oder nur zu Kauf/Verkaufsspannen, in die ein Sattelschlepper einparken kann, samt Überschwappeffekte auch auf andere Indexprodukte  und möglichen Kurzschlusshandlungen
  • weil sie eine Identifikation mit einer Aktie von BASF oder SAP oder BMW haben, die sie zum „Halten“ animiert auf lange Sicht, weil sie ein Urvertrauen haben, dass diese Firmen nicht über die Wupper gehen und an den Werkshallen mit dem Auto vorbeifahren können, was sie hingegen bei einem Indexfonds nicht haben, auch wenn dieser natürlich viel besser diversifiziert ist
  • weil sie das Thema „Sondervermögen“ ignorieren und zusammenzucken, wenn der Anbieter ihres Indexfonds – zum Beispiel Blackrock, ein beliebter Gegenstand suggestiv-kritischer Berichterstattung – schlechte Presse bekommt
  • weil sich Indexfondsanbieter für Kleinanleger nicht interessieren und folglich auch die ganze „Ansprache“ in Dokumenten und Updates und Verschmelzungen und Steuermeldungen nicht so „privatkundennah“ ist (oder die Wahrheit nicht so elendig zurechtgebogen wird) wie in Standmitteilungen von Versicherungen oder Kommentaren von Fondsmanagern oder Geschäftsberichten von Firmen
  • weil sie indirekt über Gebühren niemanden bezahlen, der ihnen das Händchen hält und zu besonnenem Verhalten mahnt, wenn es „rumst“
  • weil sie bemerken, dass in Indizes besonders gut gelaufene Werte hoch gewichtet werden und umgekehrt und Märkte manchmal die merkwürdige Eigenschaft haben, dass gefühlt alles um einen herum steigt, nur die eigenen Werte oder Indizes nicht, sei es wegen ihrer Zusammensetzung oder wegen Währungsveränderungen
  • weil es nichts gibt, was einen „diszipliniert“ bei der Anlage, denn die ist per Mausclick oder Anruf binnen Sekunden liquidierbar, zu geringen Gebühren und ohne größere Nachteile.

(viele der Argumente gelten natürlich auch für eine klassische Aktienanlage)

Vielleicht glauben Sie, ich übertreibe. Und wer Angst hat, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt, der sollte tatsächlich besser bei Tagesgeld bleiben. Das ist aber nur ein schnell zusammen geschriebener Auschnitt der Probleme und Unsicherheiten, die mir in den vergangenen Jahren zu Ohren gekommen sind von Freunden, mit denen ich offen über Geld reden kann oder von Beratern, die aus dem Nähkästchen plaudern. Und jeder einzelne dieser Punkte kann das Projekt „Ich kaufe das jetzt mal und lasse es liegen wie geheißen“ beenden. (Ich weiß natürlich zu gut, welche Risiken auch andere Spar- und Vorsorgeformen bergen, finde nur, dass diese zuletzt weit größeren Raum in der Berichterstattung bekommen haben als die der Indexfonds).

Es gibt natürlich auch die diziplinierten „Kaufen und Liegen-Lasser“, die sich genau so idealtypisch verhalten, wie es die vielen aktuellen Empfehlungen nahe legen. Die klug genug sind, die Vorzüge zu erkennen, auf den Rat anderer hören und die Indexfonds kaufen und liegen lassen und einmal pro Jahr in ihr Depot schauen. Aber sie sind die Ausnahme. Ich kenne bei längerem Nachdenken nur zwei Leute, die so vorgehen (und ich gehöre nicht dazu).

Auf den Punkt: Einen Indexfonds zu kaufen ist vermutlich nur ein ganz kleiner Teil des Erfolgs in der langfristigen Geldanlage. Jeder einigermaßen erfahrene Anleger wird das kennen. Der harte Teil kommt erst in den Jahren danach.

Es lohnt sich, sich darüber Gedanken zu machen. Vor allem die psychologische Komponente, die „Disziplinierung“ der Geldanlage kommt mir oft zu kurz, wenn etwa ein Aktienengagement dem Immobilienengagement als langfristig überlegen dargestellt wird oder man Indexfonds (weil günstig und flexibel) einer betrieblichen Altersvorsorge oder Riester vorzuziehen sei.

Die Selbstverständlichkeit, mit der manche Blogger und Verbraucherschützer die (unstrittige) rechnerische Überlegenheit in eine Empfehlung übertragen (das lohnt meist, das lohnt eher nicht), finde ich erstaunlich. Auch wenn die meisten völlig zu Recht anmerken: Musterlösungen gibt es nicht, alles weitere muss eine Beratung ergeben. Denn den idealtypischen Anleger, der so gestrickt ist, dass das alles auch funktioniert, ist in der Praxis eher rar.

Das ist freilich kein unlösbares Problem, eine Hand voll guter Bücher über Verhaltensökonomik (wenn es nur eines sein darf: Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahmeman) und einige Stunden konzentrierte Einarbeitung, gelegentliche Lektüre von Zeitschriften (wie Capital 😉 ) tun es bereits, die meisten Irritationen auszuräumen oder ihnen vorzubeugen. Aber wer investiert schon diese 8-10 Stunden?

Die Realität jenseits der nackten Renditen ist jedenfalls: Immobilienbesitzer sind laut vielen Studien disziplinierter und erfolgreicher im Vermögensaufbau (wen wundert das, will man doch Schulden schnell tilgen), und die Studien über die tatsächlichen Renditen von Aktienanlegern eher entmutigend. Die Kombination aus dem dringenden Wunsch nach einem neuen Familienauto wegen Nachwuchses und einem Rekordstand an der Börse hat meiner groben unwissenschaftlichen Schätzung nach in mindestens jedem zweiten Fall die Liquidation von Aktien oder Indexfonds zur Folge. Auch eine Immobilienfinanzierung führt oft zu einer Komplettliquidation der Wertpapierbestände, selbst wenn diese eigentlich mal für die laaaange Hand und Altersvorsorge angeschafft wurden. (Was ja durchaus sinvoll sein kann!). „Buy and Hold“ sind hingegen in meinem Umfeld nur Leute, die das Geld wirklich ü-ber-haupt nicht brauchen.

Das heißt natürlich auch nicht umgekehrt, dass ein teurer, mieser Riester-Vertrag oder eine schlechte baV wiederum einem langfristigen Aktienengagement in Indexfonds-Engagement in Aktien vorzuziehen sei. aie Antwort muss eine gute Beratung ergeben oder ein wirklich kritisches und ausführliches Selbststudium.

Nochmals: Ich bin großer Indexfonds-Fan, aber ich mache den Anlageschmodder auch schon seit 25 Jahren. Und ich habe Zweifel, ob viele „Selbstentscheider“ für mögliche künftige Probleme (nutzen Sie doch obige oberflächliche Sammlung als kleine Checkliste) und Zweifel auch gut gerüstet sind. Und einigermaßen froh, dass etwa die Leser von CAPITAL sehr geldaffin und meist erfahren sind.

Es gibt, das musste auch ich in den vergangenen Jahren oft feststellen, Menschen, die sich für Selbstentscheider halten und die Dinge mutig und engagiert angehen, dafür aber leider dennoch nicht geeignet sind. Die mit einer (vielleicht teuren) Beratung und einem Riester-Fondssparplan, oder – bitte jetzt keine Schnappatmung bekommen – einer Rentenversicherung, die man nur unter Schmerzen auflösen kann, besser bedient wären, weil sonst am Ende die komplette Altersvorsorge auf der Strecke bleibt.

Und es wäre prima, wenn Sie darüber bei einem Dax von 12.000 nachdenken und nicht, wenn die Hütte brennt. Denn man vergisst nach sechs Jahren Bullenmarkt ja gerne mal, wie man so tickt, wenn die Hütte brennt.

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From → Blog

14 Kommentare
  1. Hallo Herr Kirchner,
    Ihre 18 Punkte sind alle nachvollziehbar und menschlich verständlich. Für mich aber trotzdem nur Ausreden.
    Letzendlich läßt sich diese Liste eindampfen auf den Tweet „Anleger, werdet erwachsen“

    >Vor allem die psychologische Komponente, die “Disziplinierung” der Geldanlage kommt mir oft zu kurz.. Die Selbstverständlichkeit, mit der manche Blogger rechnerische Überlegenheit in eine Empfehlung übertragen finde ich erstaunlich.

    Ich nicht. Ich bin einer von diesen Bloggern. Ich wende mich an erwachsene Menschen, deren Entscheidungen ich respektiere. Ich diszipliniere niemanden, denn das paßt nicht zu meinem Weltbild. Erwachsene entscheiden selbst und stehen für ihre Entscheidungen ein. Diese Freiheit gehört zu unserer demoratischen und pluralistischen Gesellschaft. Von paternalistischen Disziplinierungsmaßnahmen halte ich nichts.
    Wer weiß, das er schwach ist, muß sich selbst an den Mast binden, wie Odysseus es gemacht hat. Aber es kann nicht sein, dass Dritte dies nach dem Motto „Wir wisssen, waas gut ist für Dich“ übernehmen.

    > Aber wer investiert schon diese 8-10 Stunden?
    Im Car-Konfigurator den neuen Firmenwagen zusammenbasteln dauert deutlich länger. Wer sich nicht mit so einem essentiellen Thema beschäftigen mag, wird irgendwann die Konsequenzen tragen müssen.

    Vielleicht sollte man eine Chuck-Norris-Rendite definieren für den Teil der Überrendite, die die besonders Harten und Disziplinierten einfahren. 😉

    Gruß
    Finanzwesir

  2. Hallo,

    zum Car-Konfigurator bzw. der „Zeit für Waschmaschine vs. Geldanlage“ – ich habe da auch schon oft drüber nachgedacht, das Verhalten ist ökonomisch tatsächlich unsinnig, aber auch nicht völlig bekloppt, wenn man zwei Dinge bedenkt:

    Erstens: Wenn Sie eine Waschmaschine kaufen oder einen Neuwagen, haben Sie den Erfahrungswert, dass Sie mit 8-10 Stunden (oder weit weniger) Zeitstudium von Amazon-Rezensionen, Nachfragen im Freundes-/Bekanntenkreis auf eine „Flughöhe“ kommen, eine vernünftige Entscheidung treffen zu können. Geldanlage wird als WEIT komplexer wahrgenommen. Die Komplexität ist das größte „gefühlte“ Problem, genau da setzen ja auch Fintechs an, nachdem sie sich den Markt angeschaut haben. Und _nachdem_ man diese Zeit investiert hat, geht man _anschließend_ in den „Blindflug“ der Kapitalmarktentwicklung, der Zinsentwicklung, des Anlagegeschicks der Versicherer, der Gesetzesänderungen und externer Schocks über. Das heißt, die investierte Zeit kann auch noch über den Haufen geworfen werden von unkontrollierbaren Dingen. Das schreckt ab. Steigert die Angst, etwas falsch zu machem womöglich doppelt.

    Zweitens: Bei Car-Konfiguratoren wie Waschmaschinen kann man sich bei Menschen in der Familie und im Freundeskreis erkundigen, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Im Bereich Geldanlage macht man das eher seltener. Ist eben tabuisiert. Es setzt ja voraus, die Hosen in Sachen Einkommen und Vermögen herunterzulassen, sowohl beim Ratsuchenden als auch dem Befragten. Das trägt zum Problem der gefühlten Komplexität und der Angst vor Fehlern noch bei.

    Betr. 18 Punkte. Natürlich sind das Ausreden. Aber ich hatte Lust, sie mal zusammen zu tragen, damit man sie nicht vergisst und vorher darüber nachdenkt.

    Mit Disziplinierung meine ich nicht die Disziplinierung durch Medien, sondern durch die Anlage selbst. Eben weil Immobilien nicht sofort liquiderbar sind wie Aktien oder ETFs. Die Brille ist ja oft, dass die mangelnde Liquidität als Riesennachteil der Immobilie und Vorzug der Aktie sei. Aber wie ist das in der Realität, zu welchen konkreten Ergebnissen im Vermögensaufbau führt das? Die Ergebnisse sind ermutigend für Immobilienkäufer und entmutigend für Aktionäre, eben wegen des „Behavior Gaps“. Natürlich ist auch da jeder seines Glückes Schmied, kein Widerspruch bzw. Mitleid.

    Frohe Ostern!

  3. Interessanter Artikel. Das ist vermutlich die Kurzform dieses „Dividend Lie“ ebooks, das in Finanzbloggerkreisen immer wieder – per affiliate-link 🙂 – empfohlen wird. Ich bin ja auch sehr gespannt, wie sich die Szene der Dividendensammler, passiven Investierer und finanziell Unabhängigkeitsbewegten entwickelt, wenn wir vom langjährigen Bullenmarkt mal in einen richtige Baisse rutschen, die mehr als nur ein paar Monate andauert. Die meisten Blogs in diesem Bereich sind seit maximal 2-3 Jahren am Start, haben also eine längerfristige Abwärtbewegung des Gesamtmarktes noch nie mitgemacht. Ob wir dann auch immer noch wöchenliche Updates über Porfolios, Dividendenzahlungen und Aktienkäufe lesen werden, oder sich ein Großteil der Blogger sang- und klanglos verabschiedet, wenn es nicht mehr so gut läuft, wird man sehen. Ich will mich da selbst gar nicht ausnehmen, auch wenn ich im Moment natürlich felsenfest davon überzeugt bin, ein sturmfester buy-and-hold Investor zu sein.

  4. @Teilzeitinvestor

    >oder sich ein Großteil der Blogger sang- und klanglos verabschiedet, wenn es nicht mehr so gut läuft, wird man sehen

    Der Finanzwesir bleibt. Ich habe den ganzen neuen Markt von
    – TomorrowFocus AG 12 € / Aktie über
    – TomorrowFocus AG 121 € / Aktie und zurück auf Los
    – TomorrowFocus AG 4,95 € / Aktie

    Da habe ich dann verkauft. Bei 95 € zu verkaufen war unter meiner Würde. Zweistellig! Ich bitte Dich!! Natürlich wären auch 95 €- 12 € ein schönes Delta gewesen. Aber das weiß man immer erst nachher.

    Das geht nicht nur mit Verlagen, auch mit Biotech kann man so etwas hinbekommen. Dafür habe ich 2009 den optimalen Einstieg bekommen (oder war es 2008?) Na ja, jedenfalls das Jahr bevor die KapSt eingeführt wurde. Da habe ich alles was ging ins Depot gepackt. Aus Steuergründen! Darf man auch niemandem sagen. 😉

    Aber da war die Weiseheit schon größer: Das war Glück und hatte nichts mit meiner ach so großen Börsenerfahrung zu tun.

    Also, neuer Markt von Anfang bis Ende + Crash 2008. Was soll da noch passieren. Geld reicht zum Leben, egal was die Börse macht.
    Ich mach Euch allen den Oggersheimer und sitze das aus.

    @Christian Kirchner: Vielleicht sollte ich mal Artikel „gefühltes vs. gerechnetes Risiko“ schreiben. Als Ingenieur rechne ich und versuche eine schlüssige Argumentation aufzubauen. Dann bin ich fertig. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, umso mehr stelle ich fest: Das sind 10% der Miete, der Rest ist nur Gefühl. Fühlen die Menschen sich wohl mit einer Sache, machen sie mit, sonst nicht. Fakten sind zweitrangig.

    Schöne Ostern
    Finanzwesir

  5. @Finanzwesir: Da kann ich mithalten, ich hab noch Teldafax Aktien im Depot, von ganz früher, als die noch ein aufstrebender Telefonanbieter waren. Insofern bin ich wohl doch ein krasser Buy and Hold Investor. Was macht man eigentlich mit solchen Pleiteaktien? Verkaufen würde ca. 10 Cent bringen, abzüglich 10 Euro Gebühr beim Discountbroker ein eher unbefriedigendes Geschäft.

  6. Ich sag nur: Jeder ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder Schmied hat Glück 😉

  7. Mainfranke permalink

    Ich denke, wir werden eine Renaissance der defensiven Mischfonds erleben, wenn es dann irgendwann mal ordentlich rumpelt, weil es in der Theorie zwar toll klingt mit passiv und Rebalancing usw. in der Praxis aber dann die Eier fehlen. Been there.

  8. Christian permalink

    Selten eine solche komische Aufstellung gelesen. Wer auch nur einem der Aussagen zustimmt, ist ganz klar ein Anfänger. Deswegen wundert mich der Kommentar „(mit Dank an M. D. für den Hinweis)“ doch sehr, hat der Autor da etwa beim schreiben Basiswissen gelernt?
    Wer ETFs kauft und mehr als eine hand voll der Zusagen zustimmt, ist ein wirklich dummer Anleger und ich frage mich, woher er das Geld hat. Sehr realitätsfremd das ganze.

    @Mainfranke Das haben Anleger die auf aktive Fonds setzen den passiven wirklich vorraus, sie wissen genau welche Anleger – um in deinem Sprachgebrauch zu bleiben – wieviele oder wie große Eier haben…
    Ich könnte mir jedoch gut vorstellen, dass viele passive Investoren nach einem crash mutiger investieren denn sie bleiben eh 10-70 Jahre dabei, warum also nicht historisch niedrige Einstandspreise mitnehmen? Der MSCI World wird sich immer erholen.

    • Das „Danke“ war ein kleiner Spass in Richtung eines Kollegen, mit dem ich darüber einen Dialog via Twitter hatte. Die ganze Debatte swapbasiert vs. voll replizierend erledigt sich ja inzwischen „von alleine“. Viele Grüsse!

  9. Ich für meinen Teil bin froh, dass es eine so pflegeleichte, leicht verständliche und kostengünstige Anlageform wie börsengehandelte Indexfonds gibt. Sie erspart vielen Menschen eine Menge Zeit, die man auch sinnvoller verbringen kann, als ständig die neuesten Anlagetipps vermeintlicher Experten zu lesen. Und dieses Wissen verbreitet sich immer mehr. Dazu tragen auch die zahlreichen Blogs bei, mit denen sich Verbraucher kostenlos informieren können. Ich halte ETFs für eine echte Finanzinnovation.

  10. Vielen Dank für den wirklich sehr ausführlichen Artikel. Haben diesen mit Freude gelesen. Selbstverständlich sind ETFs eine wirkliche Innovation. Kleinanleger können hier unkompliziert und mit geringen Kosten an den Märkten partizipieren. Doch wir denken auch, dass es kein Allheilmittel ist, da viele Anleger auch ggf. überfordert sind mit der Auswahl und sich hier und da einfach irgendwelche ISIN Nummern aufschnappen a la Fonds der Woche, des Monats etc.

    Wir denken, dass eine ausführliche Beratung wirklich sinnvoll ist und man im Vorfeld auch eine Strategie überlegen sollte bzw. sich bzgl. einer Strategie beraten lassen sollte, um dann im Nachgang die richtigen Fonds zu finden. So wie es im Artikel ja auch gut rüberkommt sind auch „gute“ aktiv gemanagte Fonds eine super Anlagevariante. Vorausgesetzt man findet auch diese guten aktiv gemanageten Fonds.

  11. Ben permalink

    Woher stammen die Daten für Ihre Aussage „Ihr Marktanteil in Europa ist weiterhin einstellig, in den USA gerade einmal knapp zweistellig.“?

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  1. Kleine Presseschau vom 1. April 2015 | Die Börsenblogger

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