Skip to content

Vorzügliches Podcast-Interview mit Burton Malkiel

3. Juni 2016

Das Interview von US-Vermögensverwalter und Börsenkommentator Barry Ritholtz mit dem US-Professor Burton Malkiel enthält in gut eineinhalb Stunden (das wichtigste fällt in der ersten Stunde) eigentlich alles, was man zum Thema langfristige Aktienanlage wissen muss. Als kleinen Appetitanreger habe ich die wichtigsten Thesen Malkiels kurz zusammengefasst, für eilige bitte gleich hier zum Interview.

„A random walk down Wall Street“ war schon immer eines meiner Lieblings-Börsenbücher (hier mehr dazu). Es erschien erstmals 1973 und lieferte die intellektuelle Basis für die Entwicklung und den Boom der Indexfonds (ETFs). Die Thesen sind ebenso einfach wie eingängig – und das gilt auch für das Interview, das Burton Malkiel (ich hatte ihn 2007 auch selbst mal interviewt) im Podcast Barry Ritholtz gegeben hat – eine dringende Hörempfehlung; zum Podcast/Interview geht es hier entlang.

Im Kern klingt Malkiel oft wie eine kaputte Platte: Börse sei nun mal ein Nullsummenspiel, die Gewinner der einen die Gewinne der anderen, also stelle man sich am besten dumm, kaufe „alles“ (den Markt über einen Indexfonds) und halte so seien Gebühren niedrig.

Interessant fand ich seine Antworten zu einigen gängigen Vorteilen beziehungsweise „Gegenthesen“ zum laufenden Index-Boom, die ich einmal aus dem Kopf heraus / nicht wörtlich zusammenfasse:

Sollte man sich als Anleger über Indexfonds tatsächlich mit dem Durchschnitt zufrieden geben? Das ergibt keinen Sinn.

-> Malkiel argumentiert, dass man als ETF-Anleger etwa in den S&P 500 oder den Dax eben nicht durchschnittlich abschneide, sondern stark überdurchschnittlich verglichen mit anderen Anlegern. Schließlich jagten weltweit die aktiven Manager in einem Nullsummenspiel (was die einen an Überrendite erwirtschaften, ist die Unterrendite der anderen) hinterher, wofür Anleger aber dann Gebühren zahlen.

Die Theorie effizienter Märkte dürfte doch spätestens seit Lehmann gescheitert sein.

-> Malkiel glaubt, dass viele diese Theorie missverstehen. Hier schließt er sich dem Denken Eugene Famas an: Dass Märkte effizient sind, heißt, dass kursrelevante Informationen sehr schnell verarbeitet werden. Kommt etwa eine umsatz/gewinnrelevante Nachricht heraus, wird diese rasch eingepreist. Das trifft aber keine Aussage darüber, ob dieser Preis angemessen ist oder nicht. Es kann sein, dass der Kurs dann trotzdem viel zu hoch oder viel zu niedrig ist.

Markttiming kann funktionieren

Markttiming kann nicht funktionieren, sagt Malkiel, weil man eine absurd hohe Trefferquote brauch, schließlich muss man mit dem Ausstieg UND dem Einstieg richtig liegen. Viele Pessimisten hatten in den vergangenen Jahrzehnten womöglich gute Argumente, dass ein Markt überteuert war – nur hält das einen Aktienmarkt nicht davon ab, womöglich noch weiter zu klettern, vielleicht sogar über Jahre.

Warum schafft Buffett dann eine so außergewöhnliche Outperformance als „Stockpicker“?

Malkiel schreibt Buffetts Leistung nicht (nur) seiner Titelauswahl zu, sondern hält ihn für einen hervorragenden Geschäftsmann, der den richtigen Einfluss auf Unternehmen nehme.

„Smart Beta“(hier eine Erklärung) ist eine gute Alternative zu klassischen Indizes.

Malkiel hält Smart Beta für Marktingquatsch: zunächst, weil es teurer ist als klassische Indexfonds und niedrige Gebühren – das ist sein Credo seit Jahrzehnten – eine der wichtigsten Determinanten für den langfristigen Anlageerfolg sind. Und weil die höheren Renditechancen mit höherem Risiko erkauft werden, indem beispielsweise erfolgreiche Strategien der Vergangenheit – etwa die Outperformance von Nebenwerten – „überbetont“ werden in einer Anlagestrategie. In der Summe über die „Smart Beta“ Strategien hinweg stimme die Performance nicht.

Der Boom der Indexfonds macht aktives Management immer interessanter, denn zu viele folgen stumpf dem Index, das schafft Ineffizienzen.

-> Malkiel würde das Argument akzeptieren, wenn 95 Prozent der Mittel passiv angelegt sind. Tatsächlich sind es aber nur 10-15 Prozent, und es wird lange dauern, ehe man sich einer Marke wie 30 Prozent nähert, daher bleibt das Argument valide: lieber einfach denken, Gebühren senken.

Nebenbei erfuhr ich noch, dass Malkiel auch der „Erfinder“ des Bildes war, dass man, statt sein Geld mit einer ehemals heißen Internet-Aktie wie Nortel (Kursminus 95% vom Hoch 1999) zu versenken, auch für 1.000 Dollar Budweiser-Bier hätte kaufen und trinken können – und dann immer noch 70 Dollar Dosenffand gehabt hätte, also nur 93% verloren… der Witz machte einige Jahre später in Deutschland mit Commerzbank-Aktien die Runde.

Eine klare Hörempfehlung – denn wie so oft muss man das Rad nicht laufend neu erfinden und sind die einfachsten Investmentregeln: halte die Dinge einfach, achte auf Gebühren, lass‘ die Finger von Markttiming – die besten.

 

 

 

 

 

Advertisements

From → Uncategorized

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: