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Mehr Geld in der T-Aktie als in ETFs

12. Juni 2017

Gelegentlich kann es einem mulmig werden mit der ETF-Euphorie. Baut sich da eine Blase auf? Eine kleine, aber feine Untersuchung zeigt: Privatanleger generell haben in Deutschland immer noch mehr Geld in die Telekom-Aktie investiert als die Privatkunden der großen Direktbanken in ETFs. Dort liegen nämlich schlappe 10,9 Mrd. Euro – macht ein gutes Prozent des deutschen Publikumsfondsmarkts.

 

 

Wie stark sind Privatanleger eigentlich in ETFs investiert? Dazu gibt es kaum vernünftiges Zahlenmaterial. Schließlich kauft Lieschen Müller den gleichen Dax-ETF wie der milliardenschwere Pensionsfonds – anders als bei vielen Publikumsfonds gibt keine unterschiedlichen Fondstranchen (mit unterschiedlichen ISINs), aus denen sich die Anlagevolumina von Profis oder Privatanlegern ablesen lassen.

Dass Privatanleger nur der „Beifang“ sind, ist ein offenes Branchengeheimnis. Kleinanleger machen häufig mehr Arbeit, als dass man mit ihnen verdient, schließlich haben sie auch Fragen zu ETFs, wollen Hotlines, eMailkontakt, Steuerfragen, haben Beschwerden.

Heute wies mich ein Branchenvertreter des Fondsverbands auf eine sehr interessante Auswertung hin: der Branchendienst Extra Funds (www.extra-funds.de) macht nicht nur eine sehr gute Arbeit, den ETF-Markt zu systematisieren. Er bringt auch etwas mehr Licht in die Marktstatistiken. Dazu untersucht das Unternehmen das Volumen von ETFs in den Privatkundendepots der großen Direktbanken Comdirect, ING-Diba, DKB, Consors, Flatex und Co..

Nun gut, das ist kein Gesamtmarkt, sondern nur ein Ausschnitt. Man darf aber der Hypothese glauben, dass die ETF-Bestände der Direktbanken einen Großteil der direkt gehaltenen (und nicht in Beratungen mandatierten) ETFs „abdeckt“, schließlich sind ETFs meist Instrumente selbst informierter, konstensensibler Anleger – und ETFs andersherum nicht die „Stangenware“ der Großbanken, Sparkassen und Genobanken.

Per Ende März summierte sich das ETF-Volumen in den Privatkundendepots der Direktbanken jedenfalls auf die Summe von 10,8 Mrd. Euro. 

Mich hat diese Zahl überrascht, denn ich hätte sie intuitiv höher geschätzt nach vielen Jahren Aktienbullenmarkt und hervorragendem Image & Presse der ETFs. Machen wir einen einfachen Vergleich: die Deutsche Telekom gibt an, dass 14 Prozent ihrer Anleger direkte Privatanleger sind. Das wären bei 79,3 Mrd. Euro Börsenwert per heute 11,2 Mrd. Euro, wobei ich auch da einfach mal frech unterstelle, dass dies zum allergrößten Teil deutsche Privatanleger sind und der Anteil ausländischer, privater Direkteigner (anders als institutioneller ausländischer Anleger) im mikroskopischen Bereich bewegt.

Natürlich ist im ETF-Markt kräftiges Wachstum. Näherungsweise hat sich das von Privatanlegern bei Direktbanken gehaltene ETF-Volumen damit verdoppelt binnen drei Jahren. Zudem haben Privatanleger derzeit 390.000 ETF-Sparpläne abgeschlossen – eine praktische, disziplinierende Art des Vermögensaufbaus, die das Vermögen monatlich bereits um > 50 Mio. Euro klettern lässt.

Für die „Gefahr“ einer ETF-Blase dürften Privatanleger ohnehin keine Rolle spielen. Das doch überschaubare Niveau des Retail-Vermögens laut diesen Zahlen fand ich dennoch erwähnenswert.

 

 

 

 

 

 

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3 Kommentare
  1. Delponte permalink

    Guten Morgen
    Das Problem sind die fehlende ökonomischen Kenntnisse der Bürger. Es gibt einfach keine Schulungen. Die Informationen muss sich jeder einzelne aus dem Internet holen. Es müsste flächendeckend Workshop’s angeboten werden. Am besten einen Verband gründen usw..

  2. Es wäre wirklich spannend zu sehen, wie groß der Anteil der Privatanleger am Gesamtmarkt in Deutschland ist. Es ist schade, dass es dazu keine Auswertungen gibt. Gleichzeitig bin ich sehr froh, dass es keine gesonderten Anteilsklassen für institutionelle Anleger gibt. Bei den offenen Immobilienfonds gab es diese Konstellation und die hat die Liquiditätsprobleme im Zuge der Finanzkrise von 2008 verstärkt.
    Ich bin sehr gespannt, wann das ETF-Anlagevolumen groß genug wird, um effektiv das M&A-Geschäft zu beschädigen. Ich habe kürzlich gelesen, dass einzelne Unternehmen bei Übernahmen oder Fusionen schon die Mindestannahmequoten reduzieren müssen, um überhaupt noch zum Zuge zu kommen. Daraus lässt sich schließen, dass zumindest der Gesamtanteil der ETFs an den Unternehmen inzwischen nicht mehr unwesentlich sein kann. Da sind aber natürlich wieder Instis und Private eingeschlossen, also hilft das für die Klärung der eigentlichen Frage nicht.

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  1. Kleine Presseschau vom 14. Juni 2017 | Die Börsenblogger

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