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Naives Portfolio gewinnt Killepitsch

31. Januar 2018

Okay, das wirft zwei Fragen auf: Was ist ein naives Portfolio, was ein Killepitsch? Der Reihe nach: Vor einem Jahr nahm ich die Wette des geschätzten Kollegen Wachtendorf von der Publikation „Das Investment“ an. Er setzte eine Kiste Schampus darauf, dass zwei aktive Fonds langfristig eine simple Mischung zweier ETFs schlagen würde. Wie ist der Zwischenstand?

Die Geschichte ist flott erzählt: Irgendwann muss Egon Wachtendorf die ETF-Euphorie so auf den Keks gegangen sein, dass er eine Wette anbot: Er zahlt dem Wettgegner eine Kiste Schampus, wenn auf Sicht von zehn Jahren ein simples Portfolio aus je hälftig einem Anleihen-ETF auf europäische Anleihen (Barclays Euro Aggregate) und dem MSCI World – die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ nannte diese Kombination auch ein „Wunderportfolio“ – besser abschneide als die beiden seinerzeit größten Mischfonds in Deutschland, dem Carmignac Patrimoine und Nordea Stable Return; ebenfalls hälftig befüllt. Und natürlich hätte er gerne eine Kiste Schampus, wenn die „aktiven“ besser abschneiden.

Da tief in mir drin eine kleine Zockernatur lebt, nahm ich die Wette an und setzte damit auf den Index. Meine Beweggründe dazu stehen hier.

Um das ganze ein wenig aufzupeppen, vereinbarten wir, jährlich einen Zwischenbilanz zu ziehen – für jedes Jahr, in dem „Aktiv“ vorne liegt, schicke ich Egon Wachtendorf einen Magenbitter in den hohen Norden, für jedes Jahr, in dem „Passiv“ gewinnt, bekomme ich einen Killepitsch, eine Düsseldorfer Spezialität.

Nun konkurrieren einige Rechnungen, ein Leser rechnete dankenswerterweise aus, das „aktive“ Portfolio habe 2017 um 1,39 Prozent zugelegt und das passive 3,77 Prozent. Egon Wachtendorf selbst hat ein Depot für die Wette angelegt und kommt auf 2,19 Prozent Plus für das „aktive“ Depot und 3,98 Prozent für das passive ETF-Depot.

Wie man aber auch rechnet und welchen Startzeitpunkt man auch wählt: „passiv“ hat die Nase um rund zwei Prozentpunkte vorne, und Egon Wachtendorf als Ehrenmann hat schon die baldige Übersendung des „Killepitschs“ angekündigt.

Mich hat mein eigener Wettgewinn überrascht, denn 50 Prozent des Passiv-Portfolios sind mit einem MSCI-World-ETF bestückt. Der wiederum besteht zu 60 Prozent aus US-Aktien. Die liefen zwar hervorragend 2017, allerdings gab es mächtig Gegenwind vom schwachen US-Dollar. Um 23,1 Prozent legte der MSCI World 2017 per 29.12.2017 zu (Details hier). Schlappe 7,5 Prozent blieben davon in Euro übrig (Details hier).

Und die Anleihen? Lieferten überhaupt keine Renditebeiträge. 0 Prozent machte der Barclays Euro Aggregate ETF nach Kosten 2017, weil sich die Kuponzahlungen und leichten Kursverluste die Waage hielten. Denn die Zinsen schleichen sich seit einem Jahr in kleinen Schüben nach oben.

Erstaunlicherweise konnten aber die aktiven Fonds – obgleich ihre Bilanz sich 2017 insgesamt versus passiven Indexfonds verbessert hat – davon nicht profitieren und hatten ihre eigenen Probleme. Auf Seiten der beiden Fonds im Rennen betraf das vor allem den Carmignac Patrimoine, der das Jahr trotz hoher Aktienquoten kaum verändert beendete. Vor allem bei den Aktien traf das Management einige unglückliche Entscheidungen.

Wenn Sie im Casino der Finger juckt, auf „rot“ zu setzen, wenn acht Mal hintereinander „schwarz“ kam oder Sie generell ein Freund der so genannten „Mean Reversion“ sind, der Regression hin zur Mitte, dann ist der „Patrimoine“ womöglich ein Fonds für Sie. Denn 2017 schloss der Fonds das Kalenderjahr zum achten Mal in Folge hinter seinem Vergleichsindex ab.

Beim Nordea Stable Return wird eine Anlage schon schwieriger, der Fonds ist für neue Zuflüsse geschlossen.

Ich hingegen fühle mich mit meinem naiven Portfolio weiter wohl innerhalb der Wette. Das hohe Gewicht der inzwischen hoch bewerteten US-Aktien ist natürlich ein Risiko innerhalb der Aktienteils, das durch den MSCI World abgedeckt wird. Und klettern die Zinsen, wird es für den in europäische Anleihen investierten ETF ungemütlich, während aktive Fondsmanager natürlich auf Cash ausweichen können, das bei steigenden Zinsen höher verzinst wird, aber nicht an Wert verliert wie Anleihen mittlerer und langer Laufzeit.

Aber am Ende gilt: Die aktive Konkurrenz muss es nicht nur besser machen als die Indizes. Sie muss auch zunächst einmal ihre Gebühren von rund zwei Prozent pro Jahr verdienen (auf diese Größenordnung läuft es nährungsweise hinaus inklusive Management Fee, Handelskosten, Performancefees…), bevor sie überhaupt erst in der Position ist, sich vor die passive Konkurrenz zu schieben – mein Kernargument, das vor allem auf lange Sicht greifen wird. (Interessanterweise beträgt der Performanceunterschied aktiv/passiv bei unserer Wette mit rund zwei Prozentpunkten 2017 ungefähr den Gebühren. Vor allem Kosten haben die aktiven Fonds also im Bündel ungefähr die Indexrendite erzielt).

In diesem Sinne: Ihnen allen gute Geschäfte 2018!

 

 

 

 

 

 

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3 Kommentare
    • Danke, die habe ich gesehen. Kann leider noch keine Details schreiben, aber auch in Deutschland bietet in den kommenden Wochen jemand eine „Millionenwette“ für den guten Zweck zur gleichen Thematik aktiv. vs. passiv an 😉

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  1. Kleine Presseschau vom 1. Februar 2018 | marktEINBLICKE

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